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Neuss: Rauchverbot: Ruhe bewahren

Neuss : Rauchverbot: Ruhe bewahren

Die Landesregierung könnte das Gesetz verschärfen. Einige Gastronomen und Teile des Gaststättenverbandes schlagen deshalb Alarm. Die Neusser Schützen mahnen zur Gelassenheit und sorgen vor – mit einem Raucherzelt.

Die Landesregierung könnte das Gesetz verschärfen. Einige Gastronomen und Teile des Gaststättenverbandes schlagen deshalb Alarm. Die Neusser Schützen mahnen zur Gelassenheit und sorgen vor — mit einem Raucherzelt.

Noch bevor klar ist, ob das Nichtraucherschutzgesetz verschärft wird oder nicht, gibt es erste Alarmrufe. "Wir befürchten, dass mehrere tausend Betriebe schließen müssen, wenn der Entwurf Gesetz wird", schreibt Hans-Dietmar Wosberg, Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststätten-Verbandes (Dehoga) NRW. Die Landesregierung um Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte vergangene Woche einen Entwurf über ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie verabschiedet.

Und dieser könnte Anfang 2013 Gesetz werden. "Das nächste Jahr heißt: Wir sind nur einen Lidschlag davon entfernt", sagt Thomas Wenning, Inhaber der Neusser Musikkneipe Hamtorkrug. "Wenn das Gesetz so beschlossen würde, wäre das für uns eine Katastrophe", ergänzt Wenning. "In der Speise-Gastronomie ist die Akzeptanz des Rauchverbots von allen Seiten hoch, aber als reiner Schankbetrieb werden wir leiden ohne Ende."

Vor zwei Jahren hatte Wenning das Rauchverbot in seiner jetzigen Form (siehe Info-Kasten) "konsequent umgesetzt". Das Problem: Die Gäste blieben weg. "Bei der Übertragung der Fußball-Bundesliga samstags ging die Zahl der Gäste von 50 auf sieben runter. Wir haben dann wieder Aschenbecher aufgestellt", sagt Wenning. Für ihn ist klar, dass das Rauchverbot bald verschärft wird: "Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche — ist doch klar, bei der rot-grünen Mehrheit."

Rainer Spenke, Geschäftsführer der Dehoga Nordrhein, glaubt dagegen: "Die einzigen, die strikt für eine Verschärfung sind, sind die Grünen. Ich weiß nicht genau, wie hart die rangehen. Wenn die drohen, die Koalition platzen zu lassen, glaube ich nicht, dass Frau Kraft für das aktuelle Rauchverbot ihre Koalition riskiert." Spenke beschwichtigt aber auch: "Zur Panik besteht kein Anlass. Bei all dem ist das letzte Wort noch nicht gesprochen."

Geredet wird nach Meinung von Dieter Heinz, dem Ehrenvorsitzenden der Dehoga im Rhein-Kreis, ohnehin zu viel: "Das ist ein leidiges Thema. Es wird viel erzählt, die Wirte machen viel, hängen aber in der Luft." Heinz ergänzt: "Dieses Damoklesschwert schwebt schon länger über uns, aber keiner weiß nix genaues. Da ist der Ansatz der Landesregierung, jetzt etwas Generelles zu machen, schon begrüßenswert. Ich bin aber nicht überzeugt, dass das auch passiert."

Hans Conrads, Geschäftsführer der Reuschenberger Bürger-Schützen, findet, "dass man bei dem Thema gerade übertreibt". Sein Verein hat aber schon einen Probelauf für ein striktes Rauchverbot absolviert: Beim Schützenfest am Wochenende stand vor dem Festzelt ein eigenes Raucherzelt. "Damit haben wir schon mal vorgebeugt, falls das Gesetz in Kraft tritt", sagt Conrads.

Gelassenheit mahnt auch Thomas Nickel, Präsident des Neusser Bürger-und-Schützenvereins, an: "Lassen wir das Gesetz doch erst mal kommen. Wenn es denn da ist, wird bei uns im Zelt halt auch nicht mehr geraucht. Wir werden dann eine adäquate Lösung finden."

Gerüstet für alle Fälle sieht sich auch der Neusser Drusushof. "Falls das Gesetz verschärft wird, stellen wir uns eben um", sagt Inhaber Walter Theisen. "Wenn es bei allen gleich ist, dass — wie im Ausland — ein generelles Rauchverbot herrscht, gewöhnen sich die Leute dran. Ich glaube nicht an ein Kneipensterben", sagt Theisen.

(NGZ/top)