Ratsbeschluss: Neuss wechselt zur Suchmaschine Ecosia

Angemerkt : Neuss wechselt zur Suchmaschine Ecosia

Es war wie eine Debatte aus der Frühzeit des Internet-Zeitalters. Jenen dunklen und vergangenen Tagen, als mancher noch glaubte, sich mit einem falschen Klick in der Unendlichkeit des Netzes zu verlieren – oder noch Schlimmeres fürchten zu müssen.

Genauso ahnungslos wirkten Teile des Rates, als dieser am Freitag durch den Tagesordnungspunkt 19 stolperte und die wichtige Frage beriet: Mit welcher Suchmaschine sollen sich die Mitarbeiter der Stadt im Netz Orientierung verschaffen?

45 Internetsuchen – ein neuer Baum. Damit wirbt Ecosia. Foto: Stadt Neuss, Amt für Umwelt und Stadtgrün

CDU und Grüne hatten beantragt, auf allen städtischen Rechnern die Suchmaschine Ecosia standardmäßig einzurichten. Ein kleiner Klick für die IT – doch was hatte die Koalition damit für Sorgen geweckt. Die Freiheit der Märkte, die Wahlfreiheit, ja sogar die Meinungsfreiheit schien in Gefahr. Carsten Thiel (UWG) fürchtete gar schlimmste Gängelung durch die Politik. „Nachher kommt noch der Antrag, das alle Mitarbeiter Krombacher trinken müssen“, unkte Thiel, der gemeinsam mit den „IT-Spezialisten“ von FDP – die nicht zwischen Browser und Suchmaschine zu unterscheiden wussten – und AfD das Teufelswerk Ecosia meiden wollte. Ihnen schloss sich der fraktionslose Dirk Aßmuth an, der von Marketinggag und „Ökologiemasche“ sprach. Aber, was war eigentlich passiert? Nichts. Oder. Fast nichts. CDU und Grüne hatten nur angeregt, auf die ökologische Suchmaschine eines Berliner Startups umzustellen, das mit dem Angebot von sich reden macht, die Hälfte der Einnahmen in die Wiederaufforstung rund um den Globus zu investieren.

45 Klicks, so die Rechnung, gleich ein neuer Baum. Nachweislich. Bei 1650 städtischen Mitarbeitern und 220 Arbeitstagen im Jahr führt nur ein Klick pro Kopf und Tag zu 8066 neu gepflanzen Bäumen. Ohne Kosten für die Stadt. CDU, Grüne, SPD und Linke fanden das einen Versuch wert und fürchteten auch nicht, sich damit an ein Unternehmen auszuliefern. Google sei ja auch nicht die Caritas, sagte Thomas Kracke (CDU). Recht hat er.

(-nau)