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Neuss: Räuberjagd im Fernsehen

Neuss : Räuberjagd im Fernsehen

Die Neusser Polizei setzt auf die Sendung "Aktenzeichen XY". 2009 konnte mit Hilfe der Zuschauer der Überfall auf eine Sparkasse geklärt werden, nun wird nach einer Bande gefahndet, die den Real-Markt berauben wollte.

Uli Jacobs will sie haben. Unbedingt. Deshalb fährt der Kriminalhauptkommissar der Kreispolizeibehörde Neuss am Mittwochabend nach München, um mit Hilfe der Sendung "Aktenzeichen XY" (ZDF, 20.15 Uhr) die Jagd auf eine Bande zu verschärfen, die auch in Neuss und Dormagen Raubüberfälle begangen hat. Mit Maschinenpistolen und Elektroschockern bewaffnet, haben die Täter nach Überzeugung der Polizei landesweit etliche Raubüberfälle begangen. Beute: mehr als 100.000 Euro.

Uli Jacobs ist morgen bei "Aktenzeichen XY" Studiogast und Interviewpartner. Foto: NGZ

Jacobs hat mit dieser Art Fernsehfahndung gute Erfahrungen gemacht. Im vergangenen Jahr war er schon einmal Studiogast bei "XY". Damals bat die Polizei im Rhein-Kreis um Mithilfe bei der Suche nach Bankräubern, die die Sparkasse an der Krefelder Straße überfallen hatten. Die entscheidenden Hinweise gingen nach der Sendung ein, sagt Jacobs, "der Fall wurde aufgeklärt".

Der Polizeibeamte ist Kopf einer vom Landeskriminalamt in Neuss eingesetzten Ermittlungskommission. Seit April fahnden er und seine Kollegen nach den bewaffneten Räubern, denen inzwischen 13 Taten zugeordnet werden. Die letzte wurde verübt, als die Kommission schon arbeitete. Tatort war Düren, Tag des Überfalls der 3. Juli 2010.

Die Überfälle begannen im Mai vergangenen Jahres, als zwei Männer in Dormagen zuschlugen. Bei einem Möbeldiscounter an der Hamburger Straße hatten sie in einem Gebüsch gewartet, bis der Marktleiter um kurz nach 21 Uhr das Geschäft verließ. Sie bedrohten und — als sie den Tresor nicht öffnen konnten — attackierten und verletzten ihn, bevor sie flohen.

Danach häuften sich solche Überfälle: Waldfeucht und Krefeld im Mai, Blankenheim und der Real-Markt an der Batverstraße in Neuss im September, Heinsberg und Viersen im Oktober, Wermelskirchen, Bochum und Frechen im Dezember, Troisdorf, Erkelenz und Düren in diesem Jahr. Bei sieben der 13 Überfälle — unter anderem in Dormagen und Neuss — scheiterten die Räuber.

Der Überfall in Waldfeucht wurde in einem Film nachgedreht, der am Mittwoch in der Sendung ausgestrahlt wird. Aber die Vorgehensweise war fast immer die gleiche: Immer wurden Mitarbeiter von Märkten angegangen, die ganz früh zur Arbeit kamen oder diese sehr spät verließen. Immer lagen die Tatorte in einem — zu diesen Zeiten wenig belebten — Gewerbegebiet. Immer traten zwei Täter in Erscheinung. Wegen der gleichen Begehungsweise und wegen der auffälligen, übereinstimmenden Personenbeschreibungen kamen die Ermittler zu dem Schluss, so Polizeisprecher Hans-Willi Arnold, "dass hier die gleiche Tätergruppe aktiv ist". Für ihre Ergreifung wurde eine Belohnung von insgesamt 17 000 Euro ausgesetzt.

(NGZ)