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Radverkehr in Neuss: Stadt will zentrale Achsen stärken

Radverkehr in Neuss : Stadt will zentrale Achsen stärken

In Neuss werden noch zu wenig Fahrten mit dem Fahrrad erledigt. Der ADFC fordert von der Stadt Mut zum Wandel.

Die Stadt will ein Netz von Mobilstationen aufbauen und wird eine erste dieser Einrichtungen noch in diesem Jahr am Hamtorwall etablieren. Für die Radfahrer in Neuss ist das eine gute Nachricht, denn mit ihr verbindet die Stadt einige Versprechen: Zum Beispiel mehr Ladestationen für E-Biker – die fehlen im öffentlichen Raum derzeit fast ganz – und mehr abschließbare Fahrradboxen. Die Zahl der Abstellmöglichkeiten werde ständig aufgestockt, erklärt Planungsdezernent Christoph Hölters, der aber zugibt: „In der Wahrnehmung geschieht das noch langsam.“

Die Zielrichtung ist klar. Die seit 2016 als fahrradfreundlich anerkannte Stadt Neuss muss und will noch mehr tun, damit mehr Menschen das Fahrrad nutzen. Wie schwierig ein solcher Umstieg zu stimulieren ist, zeigen die Befragungen, mit denen die Stadt regelmäßig das Mobilitätsverhalten ihrer Bürger untersucht. Beim Start im Jahr 1990 lag der Radverkehrsanteil bei 13 Prozent, der sich seitdem (Stand 2018) nur auf 15 Prozent erhöht hat.

Vielleicht agieren die Verantwortlichen einfach zu zögerlich? Mit der Neugestaltung der Kanalstraße, nennt Heribert Adamsky vom ADFC dazu ein Beispiel, seien zwar zwei Ampeln abgeschafft und die Einbahnstraße in Gegenrichtung für Radfahrer freigegeben worden. „Für die Einrichtung einer Fahrradstraße fehlte der Politik allerdings noch der Mut.“ Trotzdem ist für ihn gerade dieses Projekt ein positives Signal. In der Bevölkerung komme an: „Mit der Radmobilität geht es aufwärts.“

Allerdings müsse noch deutlich mehr geschehen. „Eine Schlüsselforderung ist die nach einer vom Durchgangsverkehr befreiten Innenstadt zwischen Stadtgarten und Batteriestraße“, sagt Adamsky, der am liebsten bei den niederländischen Nachbarn Maß nehmen würde. Autofahrer, so eine Lehre, müssten „am Rand der City abgefangen“ und der parkende Verkehr vom öffentlichen in den privaten Raum verlagert werden. Nur so ließen sich weitgehend autofreie Zonen in den Städten schaffen.

Mit Blick auf das Radwegenetz ist Hölters mit dem schon Erreichten nicht unzufrieden. Er kann nur noch wenig relevante Lücken ausmachen, zum Beispiel an der Villestraße in Hoisten, der Bockoltstraße und der Heerdterbuschstraße auf der Furth oder der Erprather Straße in Reuschenberg. Allerdings, gibt er zu, sei der qualitative Zustand nicht immer auf einem zeitgemäßen Niveau. Das habe auch damit zu tun, dass sich Vorschriften – etwa in Bezug auf Radwegbreiten – zwischenzeitlich geändert haben.

Aktuell plant die Stadt, zentrale Achsen im Alltags- und Freizeitnetz zu stärken. „Die Rheydter Straße wird dazu in nächster Zeit in den Fokus genommen“, kündigt Hölters an, der allerdings den wichtigsten Lückenschluss an der Bonner Straße ausmacht. Dort entsteht derzeit auf dem alten Straßenbahndamm zwischen Grimlinghausen und Gnadental ein Radweg, den auch Adamsky bedeutsam nennt und der, so der ADFC-Sprecher, „endlich auch mal fertig werden muss“. Als nächstes müssten Querungshilfen an der B9 in Stüttgen und der B 477 in Helpenstein kommen und die Radwege an Norfbach und Eselspfad – für Hölters Teil des Freizeitnetzes – ertüchtigt werden.

Obwohl nach Angaben der Stadt jährlich 170 bis 200 Radfahrer im Straßenverkehr zu Schaden kommen, gibt es in ganz Neuss keinen Unfallhäufungspunkt. Oft komme es an Kreuzungen und Einmündungen zu Unfällen, die somit von den Radfahrern nicht selten mitverschuldet wurden. Gleichwohl gelte es weiter, sichere Angebote zu schaffen, so Hölters. Ansatzpunkte dazu liefert aus ADFC-Sicht auch der für Neuss wenig schmeichelhafte „Fahrradklimatest“, bei dem die Stadt wieder einmal über ein Ausreichend nicht hinaus kam. Viele Radfahrer, so liest Adamsky beispielhaft aus der Auswertung heraus, „scheinen sich mit der Politik des Mischverkehrs mit Markierungen auf der Fahrbahn nicht wohl zu fühlen“. Darauf müsse reagiert werden.