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Neuss: Radler erobern die Einbahnstraßen

Neuss : Radler erobern die Einbahnstraßen

An der Kanalstraße haben die Umbauarbeiten begonnen. Nach Abschluss ist die Einbahnstraße für Radfahrer auch in Gegenrichtung befahrbar. Gut 40 Einbahnstraßen wurden so schon entriegelt - und der Mut dazu steigt im Rathaus.

Die Liste der Verwaltung ist lang: Fast 40 Einbahnstraßen wurden seit Mitte 1999 bereits für Radfahrer entgegen der Fahrtrichtung freigegeben, sieben weitere sind aktuell in Vorbereitung. Heribert Adamsky beobachtet das ebenso interessiert wie erfreut. Er hatte für den ADFC gemeinsam mit Roland Kehl vom Forum Stadtentwicklung der Neuss-Agenda Ende 2016 unter dem Titel "Wege öffnen, Umwege vermeiden" eine eigene Untersuchung vorgestellt, die in der Feststellung gipfelt: Jede Einbahnstraße kann für Radler geöffnet werden. Und Adamsky hat den Einruck, dass die Stadtverwaltung diese Einschätzung mehr und mehr teilt.

Seit mit der Breite Straße im Jahr 1999 die erste Einbahnstraße im Stadtgebiet für Radler "entriegelt" wurde, gab es schubweise immer wieder solche Entscheidungen. Es ist aber noch nicht lange her, da hatte der ADFC den Eindruck, dass sich die Stadtverwaltung mit der Behauptung einigeln wollte, geöffnet zu haben, was nur eben ging. Doch der Mut der Planer in der fahrradfreundlichen Stadt Neuss ist seitdem offenbar größer geworden. Das liest Adamsky auch an Kleinigkeiten ab. Nachdem die Stadt zwischen der Hesemannstraße (seit Mai 1999 geöffnet) und der seit dem Spätherbst gegenläufig befahrbaren Schulstraße an der Büttger Straße eine Lücke blieb, soll diese nun geschlossen werden. Die Entscheidung verlangt aber auch nach Konsequenz. Denn die Einmündungen in die Büttger Straße müssen konsequent von Falschfahrern frei gehalten werden. Genau deshalb, so vermutet Adamsky, habe die Stadt lange vor dieser Maßnahme zurückgeschreckt.

Die Schulstraßen-Öffnung war eine von vieren im Vorjahr, die aufwendigste war sie nicht. Diesen Titel würde Planungsdezernent Christoph Hölters sofort und uneingeschränkt an die Bergheimer Straße vergeben. "Hoch diffiziel" sei das gewesen, sagt Hölters, der nach langen Diskussionen eine Lösung erreicht sieht, die Schule machen könnte - und die bis heute keinen Unfall nach sich gezogen hat.

Der Durchbruch an der Bergheimer Straße gelang auf der Grundlage einer Verkehrssicherheits-Untersuchung. Der damit beauftragte Gutachter ist nun erneut im Auftrag der Stadt tätig und wird den Mitgliedern des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung in der Sitzung am 31. Januar seine Einschätzung zur Situation an der Kanalstraße gegen.

Dort haben schon die Bauarbeiten begonnen. In vier Abschnitten wird die Infrastruktur Neuss innerhalb des nächsten Jahres zwischen Kaiser-Friedrich-Straße und Erftstraße zunächst die mehr als 100 Jahre alten Kanäle austauschen und danach den Straßenraum neu ordnen. Finanziert ist das Vorhaben, zu Ende geplant ist es noch nicht. Denn die Politik hat sich noch nicht mehrheitlich dazu durchringen können, mit der Öffnung der Einbahnstraße für Radfahrer - die beschlossen ist - die Ampeln an den Kreuzungen Breite Straße und Erftstraße zu beseitigen. Den Ergebnissen des Gutachters, die nach Hölters Zusage im Februar auch den Bürgern vorgestellt werden sollen, misst die Politik höchste Bedeutung für die Entscheidungsfindung zu.

Klarer sind die Einschätzungen im Fall Ehrlich-, Hermann- und Sternstraße (zwischen Hermannstraße und Krurstraße) sowie Behringstraße. Sie alle werden in diesem Frühjahr für Radler geöffnet.

(-nau)