Quatuor Ébène stimmt in Neuss auf das Beethoven-Jahr 2020 ein

Zeughauskonzert in Neuss: Ein Streichquartett voller Schönheit

Das Quatuor Ébène stimmte ein begeistertes Publikum im Zeughaus auf das Beethoven-Jahr 2020 ein.

Das Streichquartett ist die höchste Form der klassischen Musik. Die Zeughauskonzerte verwöhnen ihr Publikum in dieser Hinsicht außergewöhnlich. Nach 2017 war jetzt wieder das „Quatuor Ébène“ zu Gast, eines der weltweit besten Streichquartette. 1999 wurde es am Konservatorium von Boulogne gegründet, vor zwei Jahren spielte noch Adrien Boisseau die Viola im Zeughaus. Kurz danach nahm seine Position Marie Chilemme ein, die nicht nur spielerisch vollkommen integriert ist, sondern auch durch ihr vitales Temperament fasziniert.

Das Quartett richtet sich in seinem Jubiläumsjahr auf den 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven 2020 bereits jetzt ein und wird noch in diesem Jahr unter dem Motto „Beethoven Live Around rhe World“ auf Welttournee gehen und den gesamten Zyklus seiner Streichquartette präsentieren.

Einen begeisternden Vorgeschmack erhielten jetzt die Zuhörer im nahezu voll besetzen Zeughaussaal. Beethovens „Streichquartett op. 18 Nr. 4 c-Moll“ (von 1799) gehört zu den kongenialen, auf den Vorbildern Haydn und Mozart aufgebauten Schöpfungen, die das Streichquartett als anspruchsvollste Instrumentalgattung auf lange Zeit sicherten.

Schon die exaltierte Phrasierung gleich zu Beginn signalisierte: Hier sitzt ein außergewöhnliches Quartett, dessen Miteinander, seine Spannung, den Widerstreit und die Intimität in formidablem Pianissimo der Zuhörer geradezu körperlich spüren kann. Wunderbare Instrumente verstärken die dynamischen Akzente: Pierre Colombet (1. Violine) spielt ein Instrument von Francesco Rugeri (1680), Gabriel Le Magadure sitzt an der 2. Violine, die ein Etikett von Guarneri (1845) trägt, Marie Chilemme spielt eine Viola aus dem bayerischen Hause Marcellus Hollmayr (1625) und Raphael Merlin ein Violoncello von Andrea Guarneri (1680).

Damit wurde auch das „Streichquartett c-Moll (op. 51, Nr. 1)“ von Johannes Brahms neben der emotional berührenden „Romanze“ zu einem originalen Dokument der Gattung.. Brahms hat erst sehr spät seine ersten Streichquartette geschrieben, weil für ihn Beethoven ein „unerreichbarer Gipfel“ war. Dessen letztes Streichquartett (Nr. 16 F-Dur, op. 135) war auch das Finale im Zeughaus.

Die hinreißende Interpretation und ihre Wirkung schildert Raphael Merlin, nicht nur im „Ebenholz-Quartett“ einer der besten Cellisten seiner Generation, exakt selbst: „Wir sind besessen von der Idee, dem Publikum dabei zu helfen, die Schönheit des Moments zu genießen.“

Der Beifall mit begeisterten Zurufen im Zeughaus signalisierte auch: Diese Idee ist vollkommen aufgegangen.

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