Qualifizierung am Berufsförderungszentrum Schlicherum in Neuss

Qualifizierung von Flüchtlingen in Neuss : Flüchtling startet Ausbildung

Hamidou Balde stammt aus Guinea. Als er vor fünf Jahren nach Deutschland kam, konnte er weder lesen noch schreiben. Nun macht er seinen Schulabschluss und beginnt eine Lehre.

Seine Geschichte ist stellvertretend für so viele andere Lebensläufe von Flüchtlingen, die sprachliche und berufliche Qualifizierung am Berufsförderungszentrum (Bfz) Schlicherum erhalten. Hamidou Balde stammt aus Guinea und lebt seit fünf Jahren in Deutschland. In seiner Heimat hat er nie eine Schule besucht und konnte folglich auch nicht lesen und schreiben. Dennoch wird der 30-Jährige in den nächsten Wochen seinen Hauptschulabschluss in Händen halten und danach eine Ausbildung im Bereich Lagerlogistik bei einem Neusser Unternehmen beginnen.

2016 kam Balde zum Bfz und nahm dort an der sechsmonatigen Basisqualifikation im Bereich Lagersystemwirtschaft teil. Nach einem sprachlichen Vorkurs an der VHS Mönchengladbach besuchte er die Hauptschule und absolvierte ein Praktikum in dem Unternehmen, das ihn künftig als Auszubildenden einstellen will. „Sein Beispiel zeigt: Die Vermittlung in Arbeit kann funktionieren“, sagt Michael Stork, Geschäftsführer des Bfz. „Wir wollen vor allem auch jenen Flüchtlingen eine Chance bieten, die eine unsichere Bleibeperspektive haben.“ Balde ist einer von ihnen: Guinea zählt nicht zu den Ländern mit sicherer Bleibeperspektive und daher hat er nur den Status „Aufenthaltsgestattung“. Das bedeutet: Bis zur endgültigen Entscheidung seines Asylantrags darf er in Deutschland leben und unter bestimmten Bedingungen arbeiten. Doch darüber können – wie in seinem Fall – Jahre vergehen.

Damit diese Zeit nicht ungenutzt bleibt, bietet das Bfz seit 2016 die „Basisqualifizierung für Flüchtlinge und Migranten“ an. In einem der Fachbereiche wie beispielsweise Küche und Service, Lager und Logistik sowie Metallbearbeitung werden die Teilnehmer 664 Stunden lang geschult. Sie erhalten eine Basisqualifizierung, eine berufsbezogene Sprachförderung sowie Bewerbungstraining. „Unsere Teilnehmer sind hochmotiviert und sehr zielstrebig“, sagt Projektleiterin Anett Bechstein. Stork belegt die Erfolge anhand von Zahlen: 20 Prozent der Teilnehmer könne das Bfz in Arbeit vermitteln, 27 Prozent in weitere Förderungsmaßnahmen. Neben der Basisqualifizierung gibt es zudem das Bfz-Angebot „Einstieg Deutsch“. Dabei handelt es sich um ein bundesweites Projekt zur sprachlichen Erstförderung von Geflüchteten, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Flüchtlinge, die noch keinen Platz in einem Integrationskurs haben, können auf diese Weise nicht nur die Wartezeit überbrücken, sondern niederschwellig erste Deutschkenntnisse erwerben.

Darüber hinaus befinde sich das Projekt „Aufbruch – Deutsch für den Beruf B1+“ derzeit im Aufbau, erklärt Stork. Ab Ende Juni sollen die ersten 15 Teilnehmer starten, die einen sogenannten „Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein“ der Arbeitsagentur vorlegen können und bereits über umfassendere Sprachkenntnisse verfügen. „Wir erleben in unseren Angeboten sehr motivierte Flüchtlinge, aber auch eine große Bereitschaft vieler Betriebe, diesen Menschen eine berufliche Chance zu eröffnen“, so Stork.