Neuss: Publikum feiert das DKN-Neujahrskonzert

Neuss : Publikum feiert das DKN-Neujahrskonzert

LeiterLavard Skou Larsen dirigierte sein letzte Neujahrskonzert mit dem linken Arm in einer Schlinge.

Die Ära des Künstlerischen Leiters der "Deutschen Kammerakademie Neuss" (DKN), Lavard Skou Larsen, der das Orchester auf eindrucksvolle Weise prägte, geht mit dieser Saison nach zwölf Jahren zu Ende, und ausgerechnet bei diesem seinem letzten, wiederum glanzvollen Neujahrskonzert in der restlos ausverkauften Stadthalle hatte der Leiter lediglich die rechte Hand zum Dirigieren zur Verfügung. Der linke Arm steckte in der Schlinge - ein Skiunfall. "In dieser Situation ist es leichter, ein Orchester zu dirigieren als sich eine Hose anzuziehen" erzählte Skou Larsen gut gelaunt dem kundigen und kurzweilig moderierenden Daniel Finkernagel, den Radiohörern von WDR3 aus der Sendung "Mosaik" bestens bekannt.

Es gab wahrlich keinerlei Einschränkungen bei den allesamt bestens gelungenen instrumentalen Vorträgen der durch Bläser, Schlagwerk und Harfe verstärkten Kammerakademie. "Wir verbinden in diesem Programm Klassik und Pop", erläuterte der Moderator die ungewöhnliche Konzeption. Leopold Stokowski (1882-1977) schuf eine großartige Orchesterfassung von Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 für Orgel, die den Streichern und Bläsern der DKN voller Klangfülle und doch bewundernswert durchsichtig gelang. - Aus Robert Schumanns 3. Sinfonie Es-Dur, der "Rheinischen", erklang das bekannte Scherzo, dessen eingängiges Thema ausnahmsweise mal die Bratschen in der führenden Position sieht. - Solocellist Milan Vrsajhov glänzte mit einem umfangreichen Solo in der Ouvertüre zu "Wilhelm Tell" von Rossini. Auch der schwungvolle Hochzeitsmarsch aus Mendelssohn Bartholdys "Sommernachtstraum" durfte ebenso wenig fehlen wie ein Satz aus Dvoraks Sinfonie "Aus der neuen Welt". Für die Crossover-Beiträge war aus Salzburg das Sängerehepaar Katharina und Einar Gudmundsson angereist. Der Bariton sang als Hommage an Elvis Presley, der am achten Januar 82 Jahre alt geworden wäre, "My Baby Left Me" von Arthur Cudrup, im Duett erklang unter Anderem "American Tune= amerikanische Melodie" von Paul Simon, wobei in der instrumentalen Begleitung der Bach-Choral "O Haupt voll Blut und Wunden" geschickt verarbeitet war.

Auch Mendelssohn, aus dessen e-Moll-Violinkonzert Konzertmeisterin Eva Stegeman Wohltönendes beisteuerte, wurde mit einem Popsong verbunden. Das alles servierten die Gäste schwungvoll und mit dem passenden Sound, nur war die Mikrofonverstärkung angesichts der ausgebildeten Stimmen der Sänger weitgehend unnötig, vor allem erschien dadurch der Sopran meist viel zu schrill. Mit der bekannten Ouvertüre zur Oper "Donna Diana", der noch zwei gerne gewährte Zugaben folgten, endete ein begeistert gefeiertes Konzert.

(NGZ)
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