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Prozess gegen Sven F. aus Neuss: Staatsanwaltschaft fordert lebenslänglich

Prozess um getöteten Jungen aus Neuss : Staatsanwalt fordert lebenslängliche Haft für Sven F.

Im Prozess um den getöteten elfjährigen Jörg F. aus Neuss sind vor dem Düsseldorfer Landgericht am Donnerstag die Plädoyers gehalten worden. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslängliche Haft für den mutmaßlichen Täter. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch.

Die Stimme von Sven F. war so zittrig, dass seine Abschlussworte kaum zu verstehen waren. Er bewegte den linken Arm rauf und runter und stotterte, lediglich ein leises Danke an seine Schwester war zu vernehmen. Der Angeklagte kämpfte am Donnerstag vor dem Düsseldorfer Landgericht sichtlich mit den Emotionen, nachdem Staatsanwalt Martin Stücker und Pflichtverteidigerin Dagmar Loosen ihre Plädoyers verlesen hatten.

Stücker machte deutlich, dass er nach wie vor keinen Zweifel an der Schuld von Sven F. habe. Der Angeklagte soll seinen elf Jahre alten Neffen Jörg, der zu diesem Zeitpunkt bei ihm lebte, im Badezimmer so hart geschlagen haben, dass er regelrecht abhob und in der Badewanne landete. Daraufhin soll Sven F. das Zimmer verlassen haben. Als er später bemerkte, dass sich der Junge nicht mehr regt, soll der Angeklagte den Jungen zwei Minuten lang mit brühend heißem Wasser übergossen haben. „Der Junge wurde massiv misshandelt und hatte am ganzen Körper massive Verletzungen“, so Stücker. Das Kind erlitt eine Hirnschwellung und starb nach zwölf Tagen in der Düsseldorfer Uni-Klinik. Der Angeklagte habe den Tod des Kindes zwar nicht unbedingt herbeiführen wollen, ihn jedoch zumindest „billigend in Kauf genommen, als er ihn in der Badewanne seinem Schicksal überließ“, sagte Stücker, der deutlich machte, dass im Laufe der Hauptverhandlungen insgesamt fünf verschiedene Versionen zum Ablauf jenes 5. Oktober präsentiert wurden. Der 41 Jahre alte Angeklagte hatte die Tat zunächst gestanden, dann aber widerrufen. Er habe die Schuld nur auf sich genommen, um seine Frau zu schützen, die die eigentliche Täterin sei sagte er. Loosen hatte bereits angekündigt, einen Freispruch zu beantragen. Es spreche deutlich mehr für die Ehefrau als Täterin als für ihren Mandanten. Wäre es lediglich zu einem Schlag aus dem Affekt heraus gekommen, hätte man diese Tat laut Loosen womöglich ihrem Mandanten zuordnen können. Das zwei Minuten lange verbrühen mit der Duschbrause „passt einfach nicht zu ihm“, betonte die Rechtsanwältin. Diese Handlung sei ein Ausdruck tief sitzender Frustration, die bei Sven F. gar nicht vorhanden sei. „Er war zufrieden mit seinem Leben und mochte Jörg“, so die Verteidigerin. Seine Frau Sophie hingegen sei mit der Situation zuhause in Weckhoven schlichtweg überfordert gewesen – schließlich lebte die Familie nach dem Einzug von Jörg und seiner Oma zu Zehnt auf rund 100 Quadratmeter.

In ihrem „Geständnis“ (das eigentlich keines war, wie der Staatsanwalt betonte) habe Sophie F. nicht voll umfänglich zur Tat ausgesagt, weil Gewalt gegenüber Kindern innerhalb der Familie verachtet werde und sie schlichtweg die Konsequenzen fürchte. Die Schwester des Angeklagten, Mutter des getöteten Jungen und Nebenklägerin, änderte im Verlauf des Prozesses ihre Meinung. War sie zunächst davon überzeugt, dass ihr Bruder ihren Sohn getötet hat, beschuldigt sie nun seine Ehefrau. Die Nebenklage stellte deshalb keinen Antrag.