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Neuss: Provisorium für 650.000 Euro

Neuss : Provisorium für 650.000 Euro

Das Gebäudemanagement hat im Kulturausschuss eine Rechnung der dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen im Clemen-Sels-Museum vorgelegt. Nur das Dach soll kurzfristig repariert werden.

Rund drei Monate wird es brauchen, um die Heizungsanlage zu installieren. Kein Wunder also, dass das Gebäudemanagement (GMN) davon ausgeht, dass dies nicht im vollen laufenden Betrieb des Hauses geschafft werden kann. Gestern nun hat die GMN im Kulturausschuss vorgelegt, was seit langem gewünscht wurde: ein Konzept zur Sanierung der Bereiche Heizung, Beleuchtung und Dach des Clemens-Sels-Museum. Allerdings nur als Provisorium.

Aber auch dessen Maßnahmen werden teuer genug. Mit rund 650 000 Euro rechnet das GMN und weist zugleich daraufhin, dass die Arbeiten an Heizung und Beleuchtung "sämtliche Innenräume" betreffen und nur "in völlig baufreiem Zustand, d. h. unter Einschränkung des Museumsbetriebs" erfolgen können.

Unter Umständen müssten auch Kunstwerke ausgelagert werden. Im Klartext heißt das: Während des Jubiläumsjahres des Museums — es wird nächstes Jahr 100 — ist auch an eine provisorische Sanierung in diesen Bereichen nicht zu denken. "Möglicherweise akut auftretende Probleme" bei Heizung und Beleuchtung im kommenden Jahr müssten "situativ" gelöst werden. Etwas, worin alle Beteiligten schon Erfahrung haben, aber dennoch etwa Roland Kehl (Grüne) zu der sarkastischen Bemerkung veranlasste: "Dann sollten wir jeden Tag in der Kirche eine Kerze für das Museum anzünden."

Für den Ausschussvorsitzenden Hartmut Rohmer (SPD) brachte die Vorlage ohnehin nicht das, was man verlangt habe: Die Politiker hätten eine Aussage über Maßnahmen haben wollen, die den Ablauf des Jubiläumsjahres sicherstellten, "aber diese Vorlage geht an unserem Anliegen vorbei". Und Ursula von Nollendorf (CDU) sekundierte ihm, als sie klipp und klar sagte: "Diese Vorlage hätten wir schon vor drei Jahren bekommen sollen. Dann wäre auch schon einiges geschehen. Das ist ein Skandal."

In der Beratung über den Etat des GMN tat sich dann die nächste Falle auf. Insgesamt sind für außerplanmäßige Eingriffe an Gebäuden (außer Schulen) 528,480 Euro vorgesehen — davon sollten nach dem Willen der SPD wenigstens 50 000 Euro für das Museum reserviert werden. Eine Mehrheit dafür gab es aber nicht. Allerdings beruhigte Hans-Jürgen Hasler, kaufmännischer Leiter der GMN, die Gemüter ein wenig, als er zusicherte, dass im Fall des Falles das Geld aufgetrieben werde: "Notfalls werden wir dann noch nicht angelaufene Maßnahmen einfrieren."

Einzig die Dacharbeiten bereiten keine Probleme, sie können kurzfristig beginnen. 60 000 Euro werden dafür veranschlagt, die die GMN sofort aus ihrem laufenden Etat nehmen könnte. Wenigstens das, so dann auch das mehrheitliche Votum der Kulturpolitiker, solle unverzüglich in Angriff genommen werden.

(NGZ/rl)