Neuss: Protestaktion gegen Minister Gröhe beim Pflegetreff

Neuss : Protestaktion gegen Minister Gröhe beim Pflegetreff

Beim Treffen zum "Pflegenotstand" wurde Gesundheitsminister Hermann Gröhe von Demonstranten begrüßt.

Erfttal Wenn ein Minister kommt, ist das schon etwas Besonderes - erst recht, wenn dann auch noch eine Protestaktion hinzukommt. Beim Erfttaler Pflegetreff wurde Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) nämlich nicht nur von seinem Gastgeber Werner Schell, dem Vorsitzenden des Selbsthilfenetzwerks "Pro Pflege", begrüßt, sondern auch von Demonstranten, die die Veranstaltung als Ort für einen "Flashmob" nutzten.

"Das war mal etwas anderes", sagt Werner Schell, der von der Demo des Bündnisses "Pflege am Boden" allerdings nicht sonderlich viel hält. "Auch ich beklage einen Pflegenotstand, setze aber eher auf eine inhaltliche Auseinandersetzung", sagt er. Zu der kam es dann auch, nachdem Gröhe bei seiner Ankunft kurz mit den Protestlern gesprochen hatte.

Wohlwollend nahm das Auditorium die Absichtserklärung des Ministers zur Kenntnis, noch in dieser Legislaturperiode die Pflegereform anzugehen. So sollen künftig mehr Menschen Leistungen beziehen können, darunter etwa Demenzkranke, die bislang aus dem Raster fallen. Gröhe kündigte zudem an, im stationären Bereich den Schlüssel für Fachkräfte zu überprüfen und für eine fachgerechte Bezahlung zu sorgen. "Wir müssen mehr Betreuungskräfte ermöglichen und neue Begriffe der Pflegebedürftigkeit finden", fügte der Minister hinzu. Damit gab Gröhe, bei dessen Rede sich einer der Demonstranten noch einmal demonstrativ vorne auf den Boden legte, erhebliche Defizite zu, die sowohl in den Ausführungen der Fachleute auf dem Podium wie auch aus dem Publikum verdeutlicht wurden. "Neun von zehn Pflegekräften in Krankenhäusern haben keine Zeit für eine ausreichende pflegerische Versorgung im Demenzbereich" , sagte Professor Michael Isfort vom Deutschen Institut für Pflegeforschung. "Die Pflege zu Hause, in Seniorenheimen und Krankenhäusern liegt im Argen", fügte Ludger Risse, Vorsitzender des Pflegerates NRW, hinzu. Andrea Albrecht, Pflegedienstleiterin am Lukaskrankenhaus, kennt das aus der Praxis: "Pflege braucht Zeit. Und die haben wir nicht."

Zahlreiche Themen konnten nur angeschnitten werden. Trotz des "Flashmobs" blieb das Gespräch konstruktiv. "Danach wurde auch zugehört", hat Werner Schell beobachtet.

(NGZ)
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