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Protest-Aktion in Neuss: Kaufhof-Mitarbeiter „beerdigen“ Innenstadt

Protest-Aktion in Neuss : Kaufhof-Mitarbeiter „beerdigen“ Innenstadt

Mit Grablichtern, Skelett und einem Sarg protestierten rund 50 Mitarbeiter am verkaufsoffenen Sonntag gegen die drohende Schließung der Filiale. Die Gewerkschaft Verdi gibt sich kämpferisch.

Es war eine gespenstische Atmosphäre, die am verkaufsoffenen Sonntag an der Niederstraße in der Neusser Innenstadt herrschte. Vor der Filiale der Galeria Kaufhof waren neben zahlreichen Grablichtern auch ein Skelett und ein Sarg zu sehen. Die Schaufenster des Kaufhauses waren schwarz abgedeckt. An dem hölzernen Sarg wurde ein Schild mit dem Schriftzug „Hier ruht die ausgestorbene Stadt Neuss“ platziert.

Bei der Aktion handelte es sich nicht um einen makaberen Scherz von Unbekannten, sondern um einen verzweifelten Hilferuf der Neusser Kaufhof-Mitarbeiter. Zum wiederholten Male taten sie am Sonntagmittag ihren Unmut kund – über die mögliche Schließung ihrer Filiale, über den undurchsichtigen Verlauf der Verhandlungen – über die Kommunikationspolitik der Unternehmensführung.

Wie Heike Waschelitz, Betriebsratsvorsitzende in Neuss, unserer Redaktion vor Ort mitteilte, habe sich in den vergangenen Tagen nicht viel bewegt. Ihr letzter Stand ist, dass die Unternehmensleitung den Standort schließen wird, wenn die Vermieter keine finanziellen Zugeständnisse machen. Diese Form der Verhandlungstaktik hatte Bürgermeister Reiner Breuer mit der Aussage „nicht die feine Englische Art“ kommentiert.

Auch am Sonntag wurden neben dem stillen Protest der knapp 50 Mitarbeiter wieder Unterschriften gesammelt. Weit über 3000 davon wurden laut Heike Waschelitz bereits gezählt. Gut 5000 sogar, wenn man die Online-Petition hinzurechnet.

Unterstützt wurde die Aktion am Kaufhof von der Verdi. Gewerkschaftssekretär Guido Meinberger gab sich kämpferisch: „Es wird in Zukunft weitere Aktionen dieser Art geben. Wir werden solange für jedes einzelne Haus kämpfen, wie es nötig ist.“

Auch andere Händler in der Innenstadt beteiligten sich wegen des kurzfristigen Termins nicht an dem verkaufsoffenen Sonntag, der als Ersatz für das ausgefallene Stadtfest „Neuss blüht auf“ angesetzt wurde. Doch wer am Sonntag durch die City flanierte, der sah trotz des stürmischen Wetters verhältnismäßig viele Besucher.

Davon überrascht zeigte sich auch Christoph Napp-Saarbourg, Vorstandsvorsitzender der Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss (ZIN). „Man kann Stadt und Verwaltung nur loben, dass der Termin so kurzfristig auf die Beine gestellt werden konnte“, sagt er. In der aktuellen Phase könne der Handel froh über jede Stunde sein, in der die Geschäfte geöffnet sein dürfen. Etwas fürs Auge gab es für die Innenstadt-Besucher dann ab 15.30 Uhr. Dann rollten nämlich rund 20 Young- und Oldtimer vom Stadthallen-Parkplatz bis zum Büchel.