Neuss: Privates Geld für Shakespeare

Neuss : Privates Geld für Shakespeare

Seit 20 Jahren unterstützen Ellen und Peter Czygan das Shakespeare-Festival im Globe als private Sponsoren. Sie machen das Überzeugung – weil sie das Theater lieben und finden, dass abgeben soll, wer sich das leisten kann.

Den ersten Kontakt hatten sie als normale Zuschauer. Fanden einfach interessant, dass da in Neuss ein Theater stand, das dem Globe von Shakespeare entsprach und somit ein anderes Erlebnis versprach. Wie ein normales Kulturangebot hätten sie es genutzt, erzählen Ellen und Peter Czygan. Der Gedanke, das ganze Unternehmen Shakespeare-Festival auch zu sponsoren, kam erst im zweiten Jahr auf. Da begann sich indes auch abzuzeichnen, dass "da etwas Tolles und Schönes entsteht", sagt Ellen Czygan (64). Seitdem also gehört das Neusser Ehepaar zu den "Freunden des Globe", wie der Unterstützerkreis genannt wird.

Neusser Privatleute, kleine Geschäfte und auch größere Unternehmen sind dabei, "aber die Firmen wechseln auch schon mal", sagt Peter Czygan (71), "der Kreis der privaten Sponsoren ist dagegen weitgehend stabil geblieben". Die Czygans können das beurteilen, denn jedes Jahr gibt es ein Treffen der Sponsoren, bei dem das neue Programm vorgestellt wird und Karten reserviert werden können. Sieben Aufführungen haben sich die Czygans aktuell ausgesucht, meistens besuchen sie die Vorstellungen mit Freunden. Für die Eintrittskarten haben sie den normalen Eintrittspreis bezahlt. Alles andere würden sie auch gar nicht wollen: "Es geht doch nicht darum, wieder reinzuholen, was man ausgegeben hat", sagt Ellen Czygan.

Ohne großes Aufhebens pflegt das Ehepaar ein Grundprinzip: "Menschen, die genügend Geld haben, haben auch die Freiheit, andere zu unterstützen." Und finanziell ist das Ehepaar gut aufgestellt. Sie hat bis 2008 als Kardiologin praktiziert, er bis 2006 als Chefarzt und ärztlicher Geschäftsführer am Lukas-Krankenhaus gearbeitet. Und so nutzen sie ihre Freiheit, um gleich drei große Projekte zu unterstützen. Das Shakespeare-Festival und die Deutsche Kammerakademie Neuss (dkn) stehen schon seit vielen Jahren auf ihrer Liste, eine Poliklinik in Rumänien kam 2008 nach diversen Reisen durch das Land hinzu.

So unterschiedlich sie ihr Engagement einsetzen – für jedes Projekt gilt, dass sie auch dabei bleiben, wenn es Probleme gibt. Das war bei der dkn so, als sie vor gut zehn Jahren in schwieriges Fahrwasser geriet, wie bei der Klinik, von der sie erst heute erleichtert sagen können: "Sie läuft jetzt gut." Ellen und Peter unterstützen, was sie für gut und richtig halten und sehen das auch als Verpflichtung: "Wenn ich den Anspruch habe, dass der Staat sich engagiert, muss der Anspruch auch für mich gelten", sagt Peter Czygan. Aber, so geben sie auch gerne zu, im Falle des Shakespeare-Festivals und der Kammerakademie ist auch das ein großes persönliches Vergnügen.

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE