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Montessori-Trägerverein nahm entscheidende Hürde: Private Montessori-Schule vor dem Start?

Montessori-Trägerverein nahm entscheidende Hürde : Private Montessori-Schule vor dem Start?

Was lange währt, wird endlich gut? Das hoffen und glauben die Mitglieder des Träger- und Fördervereins der Freien Montessori-Schule Neuss. Weil die Bezirksregierung nach dreieinhalbjährigem Tauziehen das besondere pädagogische Konzept nun anerkennen will, sehen sich die Verantwortlichen auf gutem Weg, um endlich eine private, staatlich anerkannte Ersatzschule gründen zu können - eine "Freie Montessori-Schule" für die Klassen eins bis vier.

Jetzt wenden sie sich an Eltern, die der Pädagogik von Maria Montessori und Célestin Freinet sowie der Pädagogik der alternativen Schulen positiv gegenüberstehen. Eine Informationsveranstaltung ist für den 7. November, 19.30 Uhr, in der Stadtbibliothek, terminiert. Ein Blick zurück: Im Oktober 1997 wird der Trägerverein Freie Montessori-Schule Neuss gegründet, dem im Januar 1998 der Verein der Freunde und Förderer folgt.

Voller Tatendrang machen sich die Vorsitzenden Dieter Euler und Agnes Schober sowie Montessori-Urgestein Josef Kirberg an der Spitze auf den Weg durch die Instanzen mit dem Ziel, spätestens zum Schuljahr 99/00 die Montessori-Grundschule in privater Trägerschaft einrichten zu können. Sie glauben an ihr pädagogisches Konzept, zumal es in einem Kurzgutachten von Dr. Manfred Borchert vom Bundesverband der Freien Alternativschulen (Bochum) gestützt wird.

Im Unterschied zur Regelschule wird auf Zensuren verzichtet, besteht der Unterricht zu einem großen Teil aus Freiarbeit und selbstbestimmten, eigenverantwortlichem Lernen. Doch die Bezirksregierung spielt nicht mit, sieht keine Erfordernis nach Artikel 7, Absatz 5 des Grundgesetzes, wo für die Errichtung einer Privatschule ein "besonderes pädagogisches Interesse" einer Öffentlichkeit für dieses Konzept gefordert wird. Auch das Ministerium für Schule und Weiterbildung verweigert die Anerkennung.

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Doch die "Montis" geben nicht auf. Als das Ministerium auch nach einem Gutachten von Professor Bohnsack von der Uni Essen ("Denn durch die Integration von Elementen der Freinet-Pädagogik und der Pädagogik der Freien Alternativschulen belegt das Konzept der Freien Montessori-Schule Neuss die Entwicklung eines neuen Typs von Montessori-Schule......brauchen wir in NRW Schulen wie die Freie Montessori-Schule Neuss, von denen eine belebende Kraft für das staatliche Schulwesen ausgeht") bei ihrer ablehnenden Haltung bleibt, beschreiten sie den Klageweg.

Erst im Mai dieses Jahres erkennt das Schulministerium das besondere pädagogische Interesse an, nachdem ein vom Verwaltungsgericht Düsseldorf bestellter Gutachter empfiehlt, dem Antrag statt zu geben. "Jetzt können wir die Werbetrommel rühren und los legen", freut sich Josef Kirberg, der viele Jahre den Montessori-Zweig an der Albert-Schweitzer-Schule in Reuschenberg geprägt hat.

Drei Bedingungen müssen die "Montis" für eine staatliche genehmigte Ersatzschule erfüllen: neben dem pädagogischen auch ein finanzielles Konzept sowie Räumlichkeiten. Der Trägerverein setzt dabei auf die Hilfe der Stadt Neuss. Die war auch vor vier Jahren in die Bresche gesprungen und hatte den Pavillontrakt der St.-Andreas-Schule in Norf angeboten.

Doch dazu kam es aus bekannten Gründen nicht. "Wir wünschen uns, dass die Stadt ein Gebäude zur Verfügung stellt, das wir anmieten können", sagt Agnes Schober. Die "Montis" verweisen auf Düsseldorf, wo der Stadtrat im Juli dieses Jahres die Gründung eines öffentlichen Montessori-Gymnasiums beschlossen hat.

Am 1. August 2004 will die Montessori-Grundschule mit zwei jahrgangsgemischten Klassen und 40 bis 50 Kindern starten und in den folgenden Jahren mit vier Klassen ihre endgültige Größe erreichen. Bei einer genehmigten Schule werden 87 Prozent der Kosten vom Staat übernommen. Nach eigenen Berechnungen sind vom Trägerverein pro Schulplatz durchschnittlich 150 Euro im Monat aufzubringen.

Da kein Schulgeld erhoben wird, ist er auf Spenden angewiesen. "An Montessori-Pädagogik interessierte Eltern sind auch in dieser Hinsicht sehr engagiert", sieht Kirberg keine finanziellen Hürden. Klaus D. Schumilas

(NGZ)