Neuss: Premiere mit unheilvollem Schatten

Neuss: Premiere mit unheilvollem Schatten

Er ist der Stoff, aus dem Albträume gemacht sind: der Schatten, schwarzes Nichts, überall und nirgendwo, unfrei und zugleich beängstigend mächtig. Vor über 150 Jahren veröffentlichte der dänische Schriftsteller Hans Christian Andersen sein Märchen "Der Schatten", aus dem nun drei kreative Köpfe des Theaters am Schlachthof ein fesselndes kleines Klang- und Worte-Abenteuer erschafft haben.

Anke Jansen, Johann Wild und Andreas Steffens entführten bei der Premiere ihres Stücks "Der Schatten" am Freitagabend das Publikum zu einem Gelehrten, der seinen Schatten verliert. Der Schatten verschwindet im Haus gegenüber und kehrt erst Jahre später zurück. Er ist ein Mensch geworden, trägt Schmuck über dunkler Kleidung, ist reich und kalt. Er nimmt den Gelehrten nun als seinen Schatten mit auf eine Reise, bei der er sich in eine Prinzessin verliebt. Zu guter Letzt stirbt der Gelehrte, verraten von seinem eigenen Schatten.

Mittig auf der Bühne das Klangstudio mit Andreas Steffens an Sopran- und Altsaxophon, rechts und links je ein Sprecher stand die strenge Ordnung und Symmetrie der Darstellung im angenehmen Kontrast zum wabernd Rätselhaften der Geschichte. Steffens versteht es zweifellos, seine Zuhörer mit den dunklen, weichen, nachdenklichen Tönen seiner Blasinstrumente zu verzaubern; er ließ eine unheimliche, fast mystische und zugleich wohlige Atmosphäre entstehen, welche die formvollendeten Verse Andersens sanft umgarnte. Anke Jansen, zu Anfang verhüllt in schwarzen, glänzenden Stoff, verkörperte den Schatten und verlieh ihm ihre klare, klangvolle Stimme; nachhaltig und nicht weniger klar sprach Johann Wild, der Erzähler und Gelehrter war. Beide Darsteller waren tief eingetaucht in die alte Erzählung, die ihrerseits auf der Erzählung "Peter Schlemihls wundersame Geschichte" von Adelbert von Chamisso gründet. Sie gewährt ihren Interpreten große Freiheit: der Schatten – die dunkle Seite des Ich, das Böse, die verborgenen Begierden. Dies zeigt sich im gefühllosen, egozentrischen Charakter des Schattens, der sich erst von seinem alten Herren siezen, ihn später als seinen Schatten am Boden kriechen lässt. Ein unmoralisches Wesen, das in uns allen haust und sich so manches Mal wünscht, die Herrschaft zu übernehmen.

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Info Weitere Termine: Mittwoch, 31. Oktober, 20 Uhr; Donnerstag, 1. November, 20 Uhr. Karten unter Tel.02131 277499.

(NGZ)
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