Neuss: Premiere für Musikwettbewerb

Neuss : Premiere für Musikwettbewerb

Zum ersten Mal hat im Rahmen der Kirchenmusikwoche ein Internationaler Wettbewerb für Gesang und Orgel stattgefunden. Schauplätze waren die Christus- und die Marienkirche sowie das Münster.

Die Küsterin der Christuskirche befestigte schnell ein Plakat im Schaukasten an der Breite Straße und flüchtete dann rasch wieder vor dem ungemütlichen Nieselregen, der diesen Morgen so wenig einladend erscheinen ließ, ins schützende Kirchengebäude. Kein Hinweis im Außenbereich deutete darauf hin, dass um 10 Uhr in diesem evangelischen Gotteshaus die erste, immerhin öffentliche Runde eines "Internationalen Wettbewerbs für Gesang und Orgel" ausgetragen werden sollte – ein Novum innerhalb der "Kirchenmusikwoche Neuss".

Nur wenige Zuhörer verloren sich in den nicht eben bequemen Kirchenbänken. An einem Tisch im Altarbereich hatte die Jury Platz genommen, mit Kaffee, Wasser und Gebäck um Einiges komfortabler als die Besucher. Die beteiligten Kantoren, Katja Ulges-Stein, Joachim Neugart und Stefan Palm (Vorsitz), erfreuten sich honoriger Unterstützung: Die Gesangsprofessoren Josef Protschka und Gotthold Schwarz beurteilten mit.

Von den sieben gemeldeten Gesang-Orgel-Duos aus Deutschland, Korea, der Schweiz, Ungarn, Österreich und Russland konnten nur sechs anreisen; ein Bariton musste krankheitsbedingt absagen. Drei Sopranistinnen und einer Mezzosopranistin standen so lediglich ein Tenor und ein Bariton gegenüber, bei den Orgelbegleitern, die auch solistisch ihr Können unter Beweis stellen mussten, war das Geschlechterverhältnis ausgeglichen.

Beim ersten Prüfungsdurchgang, der jedem Duo etwa 20 Minuten Zeit einräumte, reichte das vokale Spektrum von Purcell über Händel, auffallend viel Bach bis Cornelius, Dvorák und Mendelssohn. Auch im solistischen Orgelspiel vertrauten nicht Wenige der kompositorischen Vollendung und Faszination der Schöpfungen des Thomaskantors. Durchweg war ein hoher Leistungsstandard zu erleben, meist gelang auch das Miteinander von Stimme und Instrument untadelig. Allerdings entsprachen die gewählten Vokalwerke nicht immer dem jeweiligen Stimmcharakter. Zur zweiten Runde um 14 Uhr in der Marienkirche hatte die Sonne den Regen verdrängt, und es kamen auch einige Zuhörer mehr. Wiederum traten alle sechs Duos an – mit gänzlich neuem Programm und fast ausnahmslos verbessert. Am Schluss hatte die Jury die Qual der Wahl und rettete sich dadurch, dass statt der vorgesehenen drei nun vier Duos die Endausscheidung im Quirinusmünster bestreiten durften.

So traten gestern Abend die Mezzosopranistin Sandra Janke und Maximilian Schnaus an der Orgel, Jessica Jans (Sopran) und Dominik König (Orgel), Zsofin Lehmann, ebenfalls Sopran, begleitet von Fiona Pollak, und der Bariton Thomas Skambraks mit dem Organisten Jacobus Gladziwa an. Auf das Urteil der Preisrichter darf man gespannt sein; bei Redaktionsschluss stand das Ergebnis noch nicht fest. Immerhin geht es nicht nur um die Ehre, sondern auch um viel Geld. Die Plätze sind 5000 Euro (1.), 3000 (2.) und 1000 (3.) Euro dotiert. Gegebenenfalls gibt es noch einen mit 500 Euro dotierter Publikumspreis.

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE