Premiere für Literarischen Sommer im Kulturzentrum Sinsteden

Sinsteden : Literarischer Sommer: Debüt in Sinsteden

Im Kulturzentrum in Sinsteden feierte der 19. Literarische Sommer eine geglückte Premiere. Anlässlich der dortigen Ausstellung über Champagner las Carsten Sebastian Henn aus seinem Roman „Der letzte Champagner“.

Der 19. Literarische Sommer feierte nun erstmals auch im Kulturzentrum Sinsteden eine vollkommen geglückte Premiere. Diese kam eher zufällig zustande, denn die aktuelle Ausstellung „Spritzig, perlend, prickelnd – Champagner“ verführte dazu, das Thema in einer Lesung zu vertiefen. Claudia Büchel, die neue Leiterin der Stadtbibliothek Neuss (seit drei Wochen), bei der die Projektleitung verantwortet wird, konnte den Kölner Krimiautor Carsten Sebastian Henn begrüßen, der aus seinem Roman „Der letzte Champagner“ las. Der Band 5 seiner kulinarischen Krimireihe mit Titeln wie „Die letzte Praline“ oder „Der letzte Whiskey“ entführt in die Welt der Champagne und seine Hauptstadt Reims, und ist vor allem ein sinnlicher Roman, den man nicht nur lesen, sondern auch schmecken kann. Aber er ist auch ein Krimi: Die bedeutendsten Champagnerwinzer sind zu einer historischen Weinprobe in Limburg an der Lahn zusammengekommen. Zeremonienmeister des Abends ist Professor Adalbert Bietigheim, Deutschlands einziger Inhaber des Lehrstuhls für Kulinaristik an der Uni Hamburg. Am nächsten Morgen wird der französische Winzer Ghislain des Montgolfier tot aufgefunden. Ihm wurde der Kopf abgeschlagen, und zwar genau so, wie man eine Champagnerflasche mit dem Säbel köpft. Bietigheim und Montgolfier sind alte Freunde, und so hält es der Professor für seine Pflicht, den Mord aufzuklären, zumal er auch im Testament einer der Erben ist. Die Nachforschungen führen ihn in die wunderschöne Champagne und ihre Hauptstadt Reims. Tief in den kilometerlangen Kreidekellern der Champagnerhäuser lüftet er ein erstes Geheimnis, das eine faustdicke Überraschung enthält. Hier beendet der Autor seine Lesung. Nun ist Carsten Sebastian Henn (44) geradezu prädestiniert dazu, solche kulinarischen Entdeckungen kenntnisreich und detailliert zu beschreiben. Der studierte Volkskundler hat auch Weinbau gelernt, arbeitet als freier Weinjournalist, leitet die Deutschlandredaktion des europäischen Weinmagazins „Vinum“ und ist im übrigen Mitinhaber des Weingutes „Mannwerk“ an der Mosel. Neben etlichen Sachbüchern sind es vor allem seine kulinarischen Romane, die ihre Fangemeinde haben, auch wegen seines subtilen Humors, dem er in den Romanen ausschweifend frönen kann. Der ständige Begleiter des Professors, sein Foxterrier „Benno von Saber“, bellt eine gläserne Badewanne an, weil er das „wurstähnliche Ding“ des Hausherrn im Minzbad nicht bekommt. Immer wieder ergänzt der Autor durch erläuternde Erzählungen. „Meine Figuren sind rein fiktiv. Und doch lernte ich einmal bei einem Empfang in Frankreich einen Ghislain de Montgolfier kennen, der bei mir schon tot ist.“ Seither verhindert er die Übersetzung von „Der letzte Champagner“ ins Französische. Nach der Lesung zeigte Carsten Sebastian Henn im Hof des Kulturzentrums das „Sabrieren“, seit Napoleon die gepflegteste Art, mit einem Säbel die Champagnerflasche zu öffnen. Das gelang ihm erst nach mehreren Versuchen, aber mit sauberem Bruch und ohne Glassplitter. Auch das war eine schöne Ergänzung zur aktuellen Ausstellung, die das zahlreich erschienene Publikum ebenfalls besuchen konnte. Nach dieser erfolgreichen Premiere bleibt zu wünschen, dass der Literarische Sommer auch in Zukunft hier eine Heimat hat. Die Leiterin des Zentrums Kathrin Wappenschmidt macht Hoffnungen: „Wir arbeiten bereits an einem Konzept für das nächste Jahr.“

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