Präsident Hennen von den Schützen Neuss-Furth ruft Zukunftsfragen auf

Interview mit Jochen Hennen : Further Schützen sind offen für Zukunftsfragen

Der Präsident der Further Schützenbruderschaft zieht eine positive Bilanz für 2019 und befeuert die Diskussion zur Entwicklung des Vereins.

Herr Hennen, Sie haben zum vierten Mal als Präsident das Further Schützenfest geleitet. Waren Sie so nervös wie beim ersten Mal?

Jochen Hennen Ich finde, ich bin cooler geworden. Bei der Ablauf-Organisation und den Ansprachen habe ich an Sicherheit gewonnen, bin routinierter. Eine Grundanspannung ist jedoch geblieben, muss auch bleiben, denn das Komitee und ich tragen die Verantwortung dafür, dass alle ein schönes Fest feiern. Das war in diesem Jahr der Fall.

Es gab keine besonderen oder gar unangenehmen Vorkommnisse?

Hennen Im Zelt und auf dem Kirmesplatz nicht. Ich habe gehört, dass es auf den Straßen der Furth unruhig war und die Polizei auch einige Male eingreifen musste. Leider.

Vor fünf Jahren verbreitete der Sturm Ela Furcht und Schrecken, in diesem Jahr sind die Further Schützen glimpflich davon gekommen ...

Hennen Die Wetterprognosen waren nicht gut und andernorts haben Gewitter den Schützen auch zugesetzt. Wir blieben Gott sei Dank verschont. Die zweite Herausforderung fürs Komitee war der Wechsel des Zeltbetreibers. Lange Jahre war Familie Vontz unser Partner; sie hat ihr Unternehmen Hochhausen an Hans-Goerg Späth aus Grevenbroich verkauft. Aus unserer Sicht ist alles reibungslos verlaufen. Wir hatten vereinbart, dass wir bei der Premiere nichts verändern und uns nach dem Fest zusammensetzen.

Sie haben den Verein in unruhigen Zeiten übernommen. Die Konsolidierung ist Ihnen und Ihren Mitstreiter offenbar gut gelungen. Nun könnten Sie sich Zukunftsfragen zu wenden. Werden Sie das tun?

Hennen Ich trete dafür ein, die Tradition zu wahren, aber den Verein kontinuierlich zu entwicklen. Daher haben wir einen Arbeitskreis gegründet, der unter der Leitung von Uli Liebscher bis Ende des Jahres seine Vorschläge in einem so genannten White Book vorlegen wird.

Um welche Themen geht es dabei?

Hennen Das ist Sache des Arbeitskreises, in dem viele Schützen mitwirken. Ich halte mich als Präsident bewusst zurück. Meine Ideen kenne ich. Ich möchte vor allem die Meinung der Schützen hören.

Andersrum gefragt: Wie soll das Further Schützenfest in fünf Jahren gefeiert werden?

Hennen Es geht natürlich um den Festablauf, um Termine im Jahrezyklus. Es geht um die Finanzierung und darum, wie wir für junge Leute attraktiv bleiben. Diese Themen aufzurufen, heißt nicht automatisch Veränderung. Wir wollen prüfen, was wir tun. Wenn wir zu dem Ergebnis kommen, dass alles richtig ist, dann bleibt es wie es ist.

Festablauf? Sie denken an Schützenfest-Verkürzung?

Hennen Nein. Das ist nicht der Plan. Aber montags hatten wir zuletzt mit Anna-Maria Zimmermann, Michael Wendler oder den Räubern auswärtige Stars im Zelt. In diesem Jahr sorgte die Fantastic Company, also unsere eigenen Leute, für Stimmung. Dienstags ist die Krönung ein Höhepunkt für Königspaar und Schützenfest – aber muss die Hofcour so lange dauern? Wir suchen in einem transparenten Verfahren behutsam nach Antworten.

Stichwort Finanzierung. Droht den Schützen eine Beitragserhöhung?

Hennen Unsere Schützen zahlen derzeit 62 Euro und der Betrag ist aus meiner Sicht angemessen. Alle entrichten den selben Betrag, nur die kleineren Korps erhalten einen höheren Musikkostenzuschuss, damit der Aufwand für den einzelnen Schützen gerecht verteilt ist. Unser Finanzierungssystem bedeutet aber auch, dass wir auf Spenden angewiesen sind. Unser Kontakt zum Werbekreis ist sehr, sehr gut. Seit 25 Jahren werden zum Montag-Frühschoppen vom Werbekreis 1001 Vesperpakete verteilt. Das ist ein Kostenaufwand von rund 2500 Euro. Dafür danken wir.

Es waren viele Kinder im Regiment zu sehen. Forcieren Sie bewusst diese Entwicklung?

Hennen Es freut mich, dass wir für Kinder interessant sind. In der Tat waren viele Kinder – auch als Falkner oder Tellschützen – dabei. Leider schrumpft aber das Edelknabenkorps. Ich glaube, dass es für Kinder wichtig ist, dass sie das Gemeinschaftserlebnis mit Gleichaltrigen haben sollten.

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