Neuss: Prächtige Klänge und grelle Dissonanzen

Neuss: Prächtige Klänge und grelle Dissonanzen

Die Kammerakademie musizierte im Zeughaus unter der Leitung von Dirigent Simon Gaudenz.

Das Publikum des gut besuchten Abo-Konzerts der Deutschen Kammerakademie (DKN)kam in den Genuss, schon einmal zu hören, was die Musiker in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk als Weltersteinspielung auf CD bannen werden: Drei der rund 50 Sinfonien von Francois-Joseph Gossec (1734-1829). Der Belgier, der sein Leben - als Anhänger der Republikaner "Revolutionskomponist" genannt und hoch geehrt - fast ausschließlich in Paris verbrachte, gilt als Wegbereiter der Sinfonie. Das war bei der von Frische, Präzision und musikantischem Feuer durchdrungenen Wiedergabe im Zeughaus nicht zu überhören. Die mit Streichern und zwei Jagdhörnern besetzten, jeweils viersätzigen Werke erinnern an Carl Stamitz ebenso wie an die frühen Sinfonien Joseph Haydns.

Wesentlichen Anteil an der akkuraten, durchsichtigen, dabei klangprächtigen Musizierweise hatte Simon Gaudenz am Pult. Der von der historisch informierten Aufführungspraxis geprägte Dirigent - designierter Generalmusikdirektor der Jenaer Philharmonie - wusste mit sparsamer, inspirierender Zeichengebung, der die hoch motivierten Musiker willig folgten, zu überzeugen.

Eine völlig andere Stimmung als bei Gossec verbreitete sich bei Dmitri Schostakowitschs zehntem Streichquartett As-Dur op.118, das in einer Kammerorchester-Bearbeitung des Schostakowitsch-Schülers Rudolf Barschai erklang. Einem kammermusikalisch-ruhigen Andante folgt als furchterregender Kontrast ein Scherzo mit gehämmerten Doppeloktaven und grellen Dissonanzen. Das melancholische Adagio, eine Passacaglia, wirkt wie ein Lichtstrahl, und das abschließende umfangreiche Allegretto mit thematischen Rückgriffen auf den Kopfsatz beschließt das aufwühlende Opus, das Orchester und Dirigent eindrücklich und engagiert vermittelten.

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Der griechisch-österreichische Komponist Anestis Logothetis (1921-1994) schrieb statt Partituren den Klangfluss fixierende Kurvengrafiken, die lediglich Tonhöhen, Lautstärken und Klangfarben angeben. "Polymeron" aus dem Ballett "Himmelsmechanik", das sieben Himmelskörper zeigt, hat Simon Gaudenz für die DKN eingerichtet - die Grafik erschien auf einer großen Leinwand, und Gaudenz versuchte, den Zuhörern eine "Reise durch die Galaxien" nahezubringen. Dann spielten die Musiker etwa zehn Minuten lang überwiegend Sphärisches mit nur wenigen Eruptionen - dem Publikum schien es zu gefallen.

Zum Abschluss und mit viel Beifall bedacht, gab es dann noch einmal Gossec: seine 1. Sinfonie, bei der der Komponist auch noch zwei Oboen vorgesehen hat.

(NGZ)
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