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Neuss: Posse um Stadtwerke-Rechnung

Neuss : Posse um Stadtwerke-Rechnung

Chaos im Rechnungswesen der Stadtwerke zehrt seit 2010 an den Nerven von Nils Schneider. Ein Einzelfall? Beschwerden häufen sich. Die Stadtwerke räumen Fehler ein, entschuldigen sich und geloben Besserung.

Das ist der Stoff, aus dem Possen sind. Die Rollenverteilung: Hier die Stadtwerke Neuss (SWN) als Konzern, in dessen automatisierten Prozessen der individuelle Fall keine Chance hat. Dort der SWN-Kunde, der fassungslos erkennt, dass er keinen Einfluss mehr auf das ihn betreffende Verfahren hat.

Nils Schneider aus Allerheiligen (mit Frau und Sohn Maximilian) verzweifelt am Rechnungswesen seines Stromlieferanten Stadtwerke Neuss (unten). Foto: Woi

Die Handlung: Nils Schneider (30) sitzt über dem Aktenordner, in dem er die verschiedenen Kapitel dieser zweijährigen Posse säuberlich abgeheftet hat. Jedes Schreiben, jede Mahnung, jede Bewegung im Zahlungsverkehr. Die jüngste Korrespondenz ist erst wenige Tage alt. Im April bekam er eine Überweisung der SWN über 1074 Euro und erhielt postwendend eine Mahnung über 1000 Euro. Ihn überrascht so etwas nicht mehr. Er hat Vorsorge getroffen: "Ich lege mittlerweile zur Sicherheit immer 1500 Euro beiseite."

Die Farce beginnt im Juli 2010. Familie Schneider bezieht in Allerheiligen als erster Nutzer einen Neubau, der zwei Jahre leer gestanden hat. Den SWN teilt sie den Zählerstand der Heizung mit. Erst im Oktober 2010 kommt die Anmeldebestätigung — mit einem falschen Zählerstand. Jetzt soll Schneider die Heizkosten für die zwei Jahre Leerstand des Hauses nachzahlen. Er widerspricht, die Stadtwerke entschuldigen sich — und legen jetzt doch erst richtig los.

Im März 2011 kommt die erste Jahresrechnung, der Ausgangszählerstand ist falsch eingetragen. Die SWN berechnen einen neuen Abschlag: 1400 Euro, im Monat. Schneider widerspricht. Wieder bekommt er Recht, der Abschlag wird auf 303 Euro festgesetzt. Doch im Mai folgt die nächste Mahnung: Die SWN drohen, die Grundversorgung abzudrehen, wenn Schneider seine Abschläge nicht zahle. "Dabei liegt eine Abbuchungserlaubnis vor", sagt Schneider. Er ruft an. Wieder Entschuldigung. Die nächste Abschlagsberechnung kommt: 1400 Euro — diesmal alle zwei Wochen. Protest, Entschuldigung — die Posse setzt sich fort.

Da gesteht auch Stephan Lommetz: "Ich bin sprachlos." Inzwischen hat sich der SWN-Geschäftsführer persönlich bei Nils Schneider entschuldigt, sich mit ihm verständigt. Lommetz ist die Fehlleistung peinlich, übernimmt Verantwortung, entschuldigt sich auch öffentlich und gelobt Besserung. Die sei eingeleitet: Das Rechnungswesen, von einem externen Dienstleister betreut, werde wieder ins Haus geholt. Die 18-monatige Kündigungsfrist läuft im Sommer aus.

Es werden Erinnerungen wach: Schon 2001 hatten Umstellungen im Computerprogramm bei den Stadtwerken zu vielen Pannen und noch mehr Ärger geführt. Ist dieses Mal Familie Schneider ein Einzelfall? Zweifel keimen: Samstag meldete sich Iris Kube bei der NGZ: Sie versuche seit Januar vergeblich, eine Rechnung ihres Stromanbieters SWN zu erhalten: "Ich laufe gegen eine Wand von Inkompetenz." Das Thema wird den Aufsichtsrat in seiner nächsten Sitzung beschäftigen — da sind sich Vorsitzender Jörg Geerlings (CDU) und Mitglied Michael Hohlmann (SPD) einig.

(NGZ)