Neuss: Pop-Rhythmen beim Jazzkonzert in der Alten Post

Neuss: Pop-Rhythmen beim Jazzkonzert in der Alten Post

A.tronic, das fünfköpfige Projekt von Schlagzeuger André Nendza, in einem Sonderkonzert der Reihe "Blue in Green".

Ein Jazzmusiker, der etwas auf sich hält, der kann auch Pop - natürlich. Was das Instrumentaltechnische betrifft, sowieso: Pop mit seinen schlichten Dreiklängen, seinem pumpenden Rhythmus, seiner durch den Gesang vorgegebenen Form aus Strophe und Refrain. Emotion? Expression? Hach, das alles kommt doch so oder so, spätestens dann, wenn die Band auf der Bühne ist. André Nendza ist eigentlich Jazzmusiker. Auf dem Kontrabass spielt er zumeist wendig virtuos, lässt seinen Jazz swingen und grooven, harmonisch und melodisch ausgefuchst.

Doch Nendza hat auch ein Projekt mit Namen A.tronic. Das startete 2002, mit einem Crossover aus elektronisch digitalen Klangexeperimenten und analoger Improvisationsmusik. Seiner Frontfrau Loos hat Nendza mittlerweile zwei Bachgroundsängerinnen zur Seite gestellt, um den melodischen Hooklines in den Refrains der Songs noch mehr Tiefe zu geben. Nendza selbst sorgte auf einer türkis lackierten Bassgitarre im Verbund mit dem Drummer Ulf Stricker für ein dichtes rhythmische Fundament: präzise auf dem Beat, aber nonchalant im Ausdruck.

Doch A.tronic hat sich im Lauf der Jahre gehäutet. Heute ist es stilistisch eine Pop-Band mit zwei Gitarren, Elektro-Bassgitarre und Schlagzeug, die den Rückraum für die zupackende Altstimme der Sängerin Franziska Loos liefern. Mit A.tronic machte Nendza Station in der Alten Post in Neuss; als eine Art Sonderkonzert am Aschermittwoch in der von Philipp van Endert kuratierten Reihe "Blue in Green", die offiziell erst im März an den Start geht. Van Endert war auch einer der beiden Gitarristen, der andere hieß Niklas Dahlheimer.

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"The Brain Works Best On Fun" ist nicht nur Name eines neuen Stücks aus dem Bandbook von A.tronic, sondern durchaus auch das Motto der Popmusik dieser Gruppe. Denn viele Songs werden gerne mal ironisch gebrochen, man glaubt hinter jedem Ton und jedem Akkord den sprichwörtlichen Schalk im Nacken hervorlugen zu hören. Dennoch besitzen Nendzas Lieder Authentizität und vor allem eins: Coolness. Wenn man die Augen schließt, dann fühlt man sich in einem Cabrio sitzend einen Highway unter kalifornischer Sonne entlangbrausend, spürt das Pluckern der Kolben in der Achtzylinder-Maschine unter der Motorhaube. Und wird jäh von Loos' schneidender Altstimme aus seinem Traum gerissen. Die Vokalistin kann ihre Herkunft im klassischen Gesang nicht leugnen, verwechselt oftmals Emphase mit technischer Raffinesse, was zu viel ist für das poppig luftige Ambiente der A.tronic-Songs.

Das erste reguläre Konzert in Reihe "Blue in Green" ist am 7. März. Dann kommt der Köln Saxofonist Denis Gabel mit seinem Quartett mit "richtigem" Jazz im Gepäck.

(NGZ)