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Neuss: Polizei nimmt Unfälle in 3D auf

Neuss : Polizei nimmt Unfälle in 3D auf

Die Polizei hat technisch aufgerüstet und ein neues Verkehrsunfallaufnahme-Team etabliert. Als Alternativen zu Klemmbrett, Bleistift und Messrad werden künftig Fotokamera, Computer und digitale Messtechnik eingesetzt.

Besser werden. Das ist das erklärte Ziel der Polizei. Besser werden, um der steigenden Zahl von Unfällen mit anschließender Unfallflucht die Spitze zu nehmen. Weil Aufklärung auch abschreckt. Besser werden, um auch schwerste Unfälle so zu rekonstruieren, dass die Gerichte im Sinne der Opfer zu eindeutigen Urteilen kommen. Um diesem Ziel näher zu kommen hat die Polizei technologisch aufgerüstet und eine neues Verkehrsunfallaufnahme-Team etabliert. Und der Erfolg stellt sich prompt ein.

"Allein aus Behördenmitteln", betont Detlef Gernandt, wurde für die Polizei im Rhein-Kreis eine Technologie eingekauft, von der der Polizeidirektor überzeugt ist: "Das wird Standard." Dabei setzt, soweit Gerhard Kropp als Leiter der Direktion Verkehr überblicken kann, erst knapp ein Dutzend Polizeibehörden im Land auf Fotokamera, Computer und digitale Messtechnik als Alternative zu Klemmbrett, Bleistift und Messrad. Doch zeigt dieses herkömmliche Handwerkszeug den Beamten auch Grenzen auf.

Die Skizzen, die die Beamten am Unfallort anfertigen, müssen Sachverständige überzeugen. "Das", so gibt Udo Strerath zu, "hat nicht immer geklappt." Denn die Beamten, so der Leiter des neuen Unfallaufnahme-Teams, haben das Skizzieren nicht so gelernt wie etwa ein technischer Zeichner – und auch nicht deren Möglichkeiten. Erschwerend kam noch ein anderer Punkt hinzu, wie Landrat Hans-Jürgen Petrauschke gestern bei der Vorstellung der neuen Technik auf dem Neusser TüV-Gelände ergänzt: "So gut Zeugen sind – man bekommt immer unterschiedliche Schilderungen." Im Ergebnis reichte das mitunter nicht, um Unfälle aufzuklären, ihren Ablauf gerichtsverwertbar zu rekonstruieren.

An die Stelle gezeichneter Skizzen tritt nun digitale Technik, die auch nachts oder bei Regen kleinste Spuren einmisst und maßstabsgetreu sowie unveränderbar in einer Lageskizze verortet. Das klärt die Faktenlage eindeutig. Ergänzt werden diese Skizzen mit Fotos vom Unfallort, die dank Teleskopmast auch aus über fünf Meter Höhe gemacht werden können. Beides, Messwerte und Bild(er), werden im Computer zusammengeführt. "Was herauskommt, sieht aus wie ein Luftbild", sagt Strerath. Eines, das auch größere Unfallorte bis ins Detail erfasst.

Zehn Unfälle hat das neue Team, das von Grevenbroich aus kreisweit operiert, schon so aufgenommen. Eigentlich sollen sie vor allem zu den Unfällen ausrücken, bei denen Menschen zu Schaden oder zu Tode gekommen sind. Aber zu Trainingszwecken und auch um die Kollegen vom Streifendienst zu entlasten, wie Uwe Braun für das neue Team betont, widmet sich dieses auch kleineren Fällen. Und in einigen Fällen sicherten sie Details, die früher in dieser Form kaum zu dokumentieren war.

(NGZ)