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Neuss: Polizei jagt Unfallfahrer

Neuss : Polizei jagt Unfallfahrer

Das gab es so noch nie: Die Polizei rekonstruierte am Freitag auf dem Hamtorwall den Unfall, bei dem eine 26-Jährige lebensgefährlich verletzt wurde. Der Fahrer floh. Um ihn doch zu fassen, wurde der Unfallhergang geklärt.

Der Aufprall ist heftig, der Knall laut. Ein Körper fliegt 20 Meter weit durch die Luft und bleibt unnatürlich verkrümmt auf dem Pflaster des Hamtorwalls liegen. Am Freitag war es ein Dummy, eine Attrappe, wie sie in der Unfallforschung benutzt wird. Doch am Morgen des 16. April, einem Samstag, lag um 5.40 Uhr an gleicher Stelle Ina M. (26) lebensgefährlich verletzt auf der Fahrbahn. Angefahren vermutlich von einem Mercedes der E-Klasse, im Stich gelassen vom Unfallverursacher, nach dem die Polizei mit Professionalität und mit Wut im Bauch fahndet. "Wir wollen ihn haben", sagt Polizeisprecher Hans-Willi Arnold. "Das liegt mir auf der Seele", ergänzt Polizeidirektor Detlef Gernandt. "Da ziehen wir alle Register."

Auf den Täter gibt es bislang kaum Hinweise. Keine Brems- oder Blockierspuren auf dem Asphalt, keine Glas- oder Lacksplitter, (bislang) keine Zeugenaussagen. Nur ein etwa 15 Zentimeter großes Kunststoffteil, ein Blendstopfen in der vorderen Stoßstange eines Mercedes, blieb am Unfallort zurück. Zu sauber, als dass es dort schon lange gelegen haben kann, analysiert Gerhard Kropp als Direktionsleiter Verkehr den Fund. Deshalb setzten die Polizei und der Unfallsachverständige Peter Loskant einen E-Klasse Mercedes der Baujahre 2000 bis 2003 ein, als sie am Freitag den Unfallhergang am Tatort rekonstruierten.

Das Verfahren ist aufwendig und so in Neuss noch nicht angewandt worden. Geklärt werden sollte, wie schnell der Unfallwagen gefahren sein muss, welche Schäden der Zusammenstoß mit dem nur 50 Kilogramm schweren Opfer verursacht haben kann, ob ein Mercedes tatsächlich als Unfallfahrzeug infrage kommen kann. Er kann, bestätigte der Sachverständige Loskant nach nur einer Testfahrt.

Seine erste Analyse: Der Wagen war zwischen 30 und 35 Stundenkilometer schnell. Das Unfallopfer, das hinter einem abfahrenden Bus den Hamtorwall vor dem Haus der Jugend überqueren wollte, muss schon beinahe die gegenüberliegende Seite erreicht haben, als der Wagen sie traf — genau an der Stelle, an der der Blindstopfen in der Stoßstange sitzt. Diesen Schaden sowie Kratz- und Einschlagspuren auf der Motorhaube des Daimlers wird Loskant näher untersuchen. Und mit seinen Erkenntnissen wird die Polizei dann daran gehen, die Werkstätten nach Wagen mit solchen Unfallspuren abzuklappern.

Das 26-jährige Opfer selbst kann sich an den Unfall nicht erinnern. Nur, dass sie an jenem Morgen von einem Ausflug mit Freunden aus der Düsseldorfer Altstadt kam und fast schon Zuhause war, als sie am Hamtorwall aus dem Bus stieg.

(NGZ)