Polizei in Neuss: Wenn das Handy zur Lebensgefahr wird

Blindflugsimulator der Neusser Polizei : Wenn das Handy zur Lebensgefahr wird

Mit einem „Blindflugsimulator“ demonstriert die Polizei Gefahren, die durch Ablenkung im Straßenverkehr entstehen.

Ein kurzer Blick auf das Smartphone, ein Anruf oder ein nörgelndes Kind auf dem Rücksitz reichen aus, um sich vom Geschehen im Straßenverkehr ablenken zu lassen.

Bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern beträgt die Distanz, die bei einem Zwei-Sekunden-Blick auf das Smartphone blind zurückgelegt wird, etwa 30 Meter. Eine enorme Entfernung, in der nicht auf Fußgänger, Radfahrer, andere Autos oder sonstige Vorkommnisse reagiert werden kann.

Aus diesen Gründen war die Polizei jetzt in der Neusser Innenstadt im Einsatz, um auf Gefahren aufmerksam zu machen, die durch Ablenkungen entstehen. Mit Hilfe eines „Blindflugsimulators“ konnten verschiedene Gefahrensituationen nachgestellt werden.

Die Probanden mussten auf dem Simulator einen Pkw durch den Straßenverkehr lenken. Nebenbei sollten auf einem Mobilgerät verschiedene Aufgaben – zum Beispiel die Musik ändern oder Mama anrufen – erledigt werden. So wurden alltägliche Ablenkungen im Straßenverkehr durch das Smartphone dargestellt.

Die Veranstaltung ist ein Teil der länderübergreifenden Verkehrssicherheitsaktion „sicher.mobil.leben  – Ablenkungen im Blick“. Gleichzeitig fanden an diesem Tag verstärkt landesweite Verkehrskontrollen, mit einem Augenmerk auf Handynutzung im Straßenverkehr, statt.

„Es ist ganz wichtig, dass wir zeigen, wie gefährlich das wirklich ist, ein Handy während der Fahrt zu nutzen. Viele überschätzen ihre Reaktionsfähigkeit“, erklärt Diane Drawe, Sprecherin der Kreispolizeibehörde. Oftmals seien bei Unfällen keine Ursachen auszumachen, da die Fahrer – im Falle eines Unfalls – nicht verpflichtet sind, Angaben zu machen. Eine Verbindung mit der Handynutzung am Steuer sei aber in den meisten Fällen sehr naheliegend.

Eine Testfahrt im Simulator bringe oft die erschreckende Einsicht, dass die Fahrer doch nicht so sicher reagieren, wenn etwas Unerwartetes passiert. „Eine Sekunde nach unten geguckt, den Fußgänger oder Radfahrer übersehen, und schon ist es passiert“, erklärt Falk Neutzer von der Verkehrswacht, der den Verkehrssimulator betreut.

Im Jahr 2017 hat die Polizei im Rhein-Kreis Neuss rund 3000 „Handyverstöße“ geahndet. Sicherlich liegt die Zahl derer, die im Auto, im Lkw oder auf dem Fahrrad ein Handy nutzen und damit sich und andere massiv gefährden, deutlich höher.

Das Handy darf bei laufendem Motor nicht benutzt werden. Ein Verstoß kostet 100 Euro, hinzu kommt ein Eintrag ins Fahreignungsregister – der berühmte Punkt in Flensburg. Ist eine akute Gefahrensituation auf die Handynutzung zurückzuführen – etwa weil mit Handy am Ohr Schlangenlinien gefahren werden – kostet es 150 Euro. Bei Sachbeschädigung sind es sogar 200 Euro. Dazu kommen je zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.

Blindflugsimulator der Polizei. Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)

„Man muss sich immer vor Augen führen, dass keine Kurznachricht so wichtig ist, dass man dafür das eigene Leben aufs Spiel setzt“, so Drawe.

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