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Neuss: Polizei-Einsatz bei den Wollnys

Neuss : Polizei-Einsatz bei den Wollnys

Die gute Nachricht: Sarafina hat das Lukaskrankenhaus nach einer Nacht wieder verlassen. Die schlechte: Verletzt worden war die 17-jährige Wollny-Tochter angeblich bei einer Keilerei in Leverkusen mit Bruder Jeremy-Pascal (15).

Deutschlands "schrecklich große" Familie aus Neuss sorgt wieder für Schlagzeilen. Doch das nicht, weil es die Drehbücher der Doku-Soap auf RTL 2 so vorgeben, sondern weil zurzeit die Familienidylle im wahren Leben beträchtlich gestört ist. So hat Vater Dieter das "Nest" an der Körnerstraße, die "Villa Kunterbunt", wie es in dicken Lettern auf der Haustür steht, erst vor kurzem verlassen und ist zu seiner neuen Freundin nach Leverkusen-Opladen gezogen.

Ganz liberal sollten die acht Kinder, die noch zu Hause leben, entscheiden, bei wem sie künftig wohnen wollen. Sohn Jeremy-Pascal (15) entschied sich für Daddy Dieter. Mit dem schwarzen Wollny-Mobil sollen nun seine Schwestern Sylvana (20) und Sarafina (17) sowie Freunde und Fans dorthin gebraust sein, um dem Jugendlichen seine Sachen zu bringen. Gegen 21.45 Uhr am Samstag riefen Nachbarn dann die Polizei. Der Grund: laute Streitereien auf der Straße, die zu eskalieren drohten. " Wie bei jedem Streit habe wir die Personalien der Beteiligten aufgenommen", sagt ein Sprecher der Kölner Polizei. Nun werde Strafanzeige wegen Verdacht auf Körperverletzung und Verdacht auf Beleidigung gestellt.

Verletzt wurde bei den Auseinandersetzungen offensichtlich auch Sarafina, so dass die 17-Jährige am Sonntag das Neusser Lukaskrankenhaus aufsuchte, dort nach Angaben eines Sprechers aber gestern wieder entlassen wurde. An der Körnerstraße ist von all den Vorfällen nichts zu spüren. Das Wollnymobil steht vor der Eingangstür, die bunt mit den Namen der Familienmitglieder beklebt ist und an die Eingangstür einer Kita erinnert. Der Name Dieter ist nicht mehr dabei. Silvia Wollny gebe keine Interviews, Sarafina gehe es gut, erklärt ein Mitarbeiter der Produktionsfirma an der Haustür.

"Wir müssen uns jetzt erstmal ein Bild von den Ereignissen machen", sagt ein Sprecher des Wollny-Sendders RTL 2, und macht klar: "Wir möchten weiter langfristig mit der Familie zusammen arbeiten." Was jetzt auf die Familie einprassle sei sehr viel, aber es sei ja auch eine Familie mitten aus dem Leben. Am 3. September endete die dritte Staffel, die vierte, so ist es geplant, soll im Frühjahr 2013 ausgestrahlt werden.

Was auf den Wollny-Nachwuchs, vor allem die minderjährigen Kinder, nun zukommt, macht Heinz Hilgers, Präsident des deutschen Kinderschutzbundes, sehr nachdenklich. "Wo bleibt die Menschenwürde der Kinder?", fragt er im Hinblick auf deren öffentliches Leben. "Damit werden sie ein Leben lang konfrontiert werden", ist sich Hilgers sicher.

(NGZ/url/top/csi)