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Getötete Rentnerin aus Neuss: Polizei belastet Mord-Angeklagten

Getötete Rentnerin aus Neuss : Polizei belastet Mord-Angeklagten

Hat er gestanden oder nicht? – Diese zentrale Frage beherrschte Montag den zweiten Tag im Reuschenberger Mordprozess in Düsseldorf. Während der Angeklagte Heinrich S. bei der Version blieb, die Beamten hätten ihm das – inzwischen widerrufene – Geständnis quasi in den Mund gelegt, zeichneten mehrere Beamte der Kriminalpolizei im Zeugenstand ein anderes Bild.

Hat er gestanden oder nicht? — Diese zentrale Frage beherrschte Montag den zweiten Tag im Reuschenberger Mordprozess in Düsseldorf. Während der Angeklagte Heinrich S. bei der Version blieb, die Beamten hätten ihm das — inzwischen widerrufene — Geständnis quasi in den Mund gelegt, zeichneten mehrere Beamte der Kriminalpolizei im Zeugenstand ein anderes Bild.

"Wir haben ihn belehrt und ihm ein Tötungsdelikt an Helene K. vorgehalten", sagte Ermittler Harald K. Die Polizisten widersprachen vehement der Aussage des Angeklagten, ein Tatgeständnis hätte es nie gegeben. "Ich bin vor meiner Vernehmung nicht belehrt worden, und vorgelesen hat man mir mein angebliches Geständnis auch nicht", hatte der 77-jährige Angeklagte Montag zu Beginn des zweiten Verhandlungstages betont. Vielmehr sei er schockiert darüber gewesen, dass ihn die Ermittler sechs Wochen nach dem Mord an seiner Schwägerin Helene K. (86) noch einmal zur Vernehmung abgeholt hätten. "Ich hatte gerade das Mittagessen auf dem Herd. Es sollte Kartoffeln, Spinat und Spiegelei geben — dann musste ich allerdings mitkommen zur Wache."

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Fünfeinhalb Stunden lang sei er befragt worden. Immer wieder habe er erklärt, dass er seine Schwägerin im Oktober 2012 nicht getötet habe. "Die Beamten allerdings meinten zu mir: Wir haben eine DNA-Spur gefunden, Sie sind überführt", referierte er — und blieb bei seiner Version. Demnach will der Rentner am Tattag gar nicht bei seiner Schwägerin in deren Haus an der Birkenstraße gewesen sein.

Teilweise kann er das zumindest auch belegen. "Ich war beim Arzt, dort hat man mir Blut abgenommen", sagt er. "Danach war ich einkaufen und beim Bäcker." Später habe er sich ums Mittagessen gekümmert, nachmittags gab es Aprikosentorte. Seine Schwägerin habe er an diesem Tattag nicht gesehen, das Opfer erst am nächsten Morgen gefunden. Bilder vom Tatort im Schlafzimmer mit der blutüberströmten Frau auf dem Bett, die Richter Rainer Drees im Prozess zeigte, schockten den Angeklagten. Das Verfahren musste kurzzeitig unterbrochen werden.

Im Anschluss vernahm das Gericht dann die beiden Polizeibeamten, die Heinrich S. nach eigenen Angaben mit dem Vorwurf konfrontiert hatten, seine Schwägerin getötet zu haben. "Zunächst hat er die Tat bestritten und gesagt: Ich habe meine Schwägerin nicht getötet, ich habe sie geliebt", erinnert sich Ermittler Harald K. Später dann aber habe S. gemeint, die Polizisten sollten "jetzt mal was aufschreiben".

Anschließend habe er die Tat gestanden. "Weil er keine Brille dabei hatte, haben wir ihm seine komplette Aussage noch einmal vorgelesen. Alleine das hat rund eine Stunde gedauert", sagt der Zeuge. Heinrich S. habe anschließend jede Seite seiner Aussage einzeln unterschrieben — eine Aussage, die der Angeklagte nur mit Kopfschütteln quittierte.

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