Neuss: Politik will bezahlbaren Wohnraum schaffen

Neuss : Politik will bezahlbaren Wohnraum schaffen

Die Preise im Wohnungsbau und Wohnungsmarkt kennen nur eine Richtung: Nach oben! Parteien schlagen Alarm. Rat fordert ein Konzept.

Die Warteliste beim Bauverein ist lang: 900 Wohnungssuchende sind dort registriert. Die Preise für Immobilien und Baugrund steigen, die Mieten auch. Während immer mehr Sozialwohnungen aus der Mietpreisbindung fallen, werden nur wenige öffentlich geförderte Wohnungen neu gebaut: Seit 2006 waren es stadtweit nur 345. Politiker schlagen Alarm. Der Sozialpolitiker Heinz Sahnen (CDU) fordert die "Vier-Euro-Miete". Sahnen ist morgen aus aktuellem Anlass gemeinsam mit dem Neusser CDU-Chef Jörg Geerlings Gastgeber einer Informationsveranstaltung in der Lounge "Drusus 1". Thema: Bezahlbarer Wohnraum in Neuss.

Die Stadtverwaltung ist am Zug. Sie hat den Auftrag, bis Jahresende in Kooperation mit der Neusser Immobilienwirtschaft ein Konzept zu erarbeiten, das aufzeigt, wie "durch städtische Maßnahmen zukünftig in Neuss bezahlbarer Wohnraum sowohl im Miet- als auch im Eigentumsbereich gefördert werden könnte". Absender des Antrags ist die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. "Unser Antrag kam zur rechten Zeit", sagt sich Michael Klinkicht, Grünen-Chef im Stadtrat, über selten erlebte breite Zustimmung, "die anderen Fraktionen haben erkannt, dass jetzt Handlungsbedarf besteht." Für die sozialpolitische Sprecherin der Grünen, Susanne Benary-Höck, ist klar: "Das Problem für steigende Bevölkerungsteile, eine bezahlbare Wohnung zu finden, wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen."

Unterstützt werden die Grünen-Positionen von Heinz Sahnen, der auch stellvertretender Vorsitzender des Bauverein-Aufsichtsrates ist. Die Sozialmieten bewegen sich in Neuss zwischen 4,80 und 5,25 Euro; auf dem freien Wohnungsmarkt zwischen 5,60 und 8,24 Euro. Diese Zahlen teilte die Stadtverwaltung Sahnen auf Anfrage vor einiger Zeit mit. Damit liege das Neusser Mietniveau zwar "weitaus günstiger" als in Düsseldorf oder Köln, so Sahnen. Er fürchtet aber, dass bei einem um 30 Prozent absinkenden Rentenniveau bis 2030 weite Teile der Senioren die Mieten nicht mehr bezahlen werden können. Das Wort von der "Altersarmut" macht die Runde. Auch für alleinverdienende Familienväter oder alleinerziehende Mütter werde es immer schwerer, ihre Wohnung zu finanzieren.

In seinem Bestand hat die Neusser Bauverein AG nach eigenen Angaben 4000 Sozialwohnungen und 3000 Wohnungen, die öffentlich gefördert wurden. Die Zahl der Wohnungen, die in den nächsten Jahren aus der Mietpreisbindung fallen, sei gering, sagt Bauverein-Chef Frank Lubig. Es gehe auch nicht nur um den sozialen Wohnungsbau für Transfer-Empfänger, sondern um bezahlbaren Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten. Sein Unternehmen habe seit 2006 insgesamt 1080 Wohnungen gebaut oder kernsaniert. 240 Millionen Euro seien investiert worden.

Frank Lubig sucht in Neuss preisgünstigen Baugrund: "Nur wenn die Einstandspreise gut sind, können wir am Ende auch bezahlbare Mieten anbieten." Lubig fragt: Ist die Stadt bereit, ihr Bauland für den sozialen Wohnungsbau unter Marktpreis abzugeben? Es bleibe der Weg über das Bauträgergeschäft: "Dort müssen wir das Geld verdienen, mit dem wir bezahlbaren Wohnraum subventionieren." Der soziale Wohnungsbau sei nicht kostendeckend.

Die Diskussion um bezahlbaren Wohnraum ist vollentbrannt. Beim CDU-Hearing wird morgen Abend der Gesprächsstoff nicht ausgehen.

(NGZ)
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