#maggikalypse in Neuss: Politik besorgt um Gesundheitsgefahr

#maggikalypse in Neuss : Politik besorgt um Gesundheitsgefahr

Der Vorfall beim Aromastoff-Hersteller Silesia sorgt weiter für Diskussionen. Sowohl im Kreisausschuss als auch im Bezirksausschuss Rosellen war die Gestank-Wolke Thema, die am Dienstag und Mittwoch bis nach Köln und Düsseldorf gezogen war.

Während auf Kreisebene vor allem die Verwaltung heftig angegriffen wurde — die Opposition, allen voran die Grünen, sprach von Imageschaden und Verletzung der Fürsorgepflicht — war im Bezirksausschuss die Frage nach der Gesundheitsgefahr vorrangig. "Die Verwaltung wird nun noch einmal mit Silesia Kontakt aufnehmen und klären, ob die Filteranlage in dem Schornstein Schaden genommen hat", sagt Ausschussvorsitzender Sven Schümann (CDU).

Der Aromahersteller kommuniziert derweil nur noch per Pressemitteilung, Nachfragen werden nicht beantwortet. In einer Erklärung heißt es, dass die Verpuffung, die zur "Maggikalypse" führte, im nächtlichen Destillationsprozess ausgelöst worden sei. Demnach seien acht Kilogramm Sotolon im Vakuum einer Öldrehschieberpumpe mit einem Heizpilz destilliert worden. Dann sei die Temperaturregelung aus bislang ungeklärter Ursache ausgefallen, der Heizpilz heizte nun mit voller Leistung bis auf 400 Grad, was dazu führte, dass vier Kilogramm des nach Maggi riechenden Stoffs Sotolon erst in die Pumpe gezogen und dann über den Schornstein in die Luft gepustet wurden. Dabei löste sich ein Abluftschlauch und ein Teil des heraustretenden Sotolons regnete auf den Heizpilz herab. Dies wiederum verursachte Qualm, den die hauseigene Löschanlage erstickte.

Seit 1966 sitzt das Silesia-Werk des 1910 gegründeten Traditionsunternehmens in Allerheiligen. Nicht immer hatte der Betrieb dort den besten Ruf: Heinz London, SPD-Politiker aus Rosellerheide, erinnert sich noch gut an die Zeiten, als das Werk für seine sehr starken Geruchsemissionen bekannt war. Erst Anfang der 2000er Jahre sei der 80 Meter hohe Turm mit der Filteranlage gebaut worden, erzählt London und berichtet von den damaligen Protesten der Anwohner, die das Unternehmen zu dieser Investition brachten. Allerdings, kritisiert London: "Die Gerüche sind noch da, sie sind nur verlagert worden."

(agoe/hko)