Poledance: Sabine Dworak aus Neuss ist Weltmeisterin im Tanz an der Stange

Poledancerin aus Neuss : Sabine Dworak ist Weltmeisterin an der Stange

Sabine Dworak betreibt Leistungssport an der Stange – und das äußerst erfolgreich. Sie tanzt in den USA, ist aber eng mit ihrer Heimatstadt Neuss verbunden.

Das Tanzen an der Stange ist nicht gleich eine anrüchige Sportart. Im Gegenteil. Die Sportart steht, wenn man so will, kurz davor, olympisch zu werden. Als Leistungssportart. Sabine Dworak ist eine Frau, die diese Sportart ausübt – und zwar überaus erfolgreich. Zum zweiten Mal ist sie Weltmeisterin im sogenannten Poledance geworden. Seit zehn Jahren trainiert sie im US-Bundesstaat New Jersey hart und unterrichtet dort auch andere Sportler im Tanz an der Stange. Verbunden ist sie nach wie vor auch mit Neuss, der Stadt, in der die heute 52-Jährige aufgewachsen ist. Ihre Eltern und ihre Tochter leben hier, regelmäßig kommt die Tänzerin zum Besuch ins Rheinland.

Bereits als kleines Mädchen hat Sabine Dworak viel getanzt. Ganz bescheiden fing sie mit vier Jahren an, bei der Turngemeinde Neuss zu trainieren. Rasch arbeitete sie sich hoch und errang im Teenager-Alter mehrere Auszeichnungen, trat als Kunstturnerin etwa bei den Deutschen Meisterschaften an. „Getanzt habe ich schon immer gerne. Seit rund zehn Jahren betreibe ich jetzt Poledance“, sagt Dworak, die sich auch als eine Art Botschafterin für diese in Europa weniger verbreitete Sportart versteht. Für sie ist Poledance nicht gleich Striptease. „Der Sport ist sehr schwierig: Er erfordert viel Flexibilität, eine hohe Beweglichkeit, viel Kraft, Ausdauer, Koordination – und nicht zuletzt viel Kreativität“, sagt sie, spricht aber dennoch von einem „Breitensport für jedermann“. „Viele Frauen denken, sie seien zu alt, zu groß, zu dick. Das ist Blödsinn“, findet Dworak deutliche Worte. Der Polesport biete gleichwohl die Möglichkeit, Weiblichkeit und Stärke gemeinsam zu zeigen. Für sie macht das auch den Reiz daran aus.

Als Mädchen hat Sabine Dworak mit dem Kunstturnen bei der Turngemeinde Neuss angefangen. Foto: Sabine Dworak

Zuletzt hat sie im November bei der Polesport-Weltmeisterschaft in Florida abgeräumt. Rund 600 Tänzer und Tänzerinnen aus 35 Nationen sind dort angetreten. In ihrer Altersklasse hat sich die 52-Jährige gegen 15 andere Tänzer durchsetzen können. „Die Bewegungen haben unterschiedliche Schwierigkeitsstufen“, sagt Sabine Dworak, bei der es manchmal so aussieht, als würde sie an der Stange schweben. So etwa bei der Figur „Titanic“, die von ungeheurer Kraft vor allem im Rückenbereich zeugt. Die 52-Jährige schwingt manchmal auch kopfüber an der Stange – und lässt sich dabei ebenso gerne filmen wie fotografieren. Oft auch an außergewöhnlichen Orten. So hatte sie schon Fotoshootings am Tagebau Garzweiler oder in New York City. Die amerikanische Metropole erreicht sie von ihrem Wohnort in New Jersey binnen 20 Minuten. Für sie ist das praktisch, zumal sie dort auch trainiert. Bis zu fünfmal die Woche arbeitet sie an den Figuren, bereitet sich aufwendig und mit viel Disziplin auf Wettkämpfe vor.

Zwei freie Tage pro Woche gönnt sich die Sportlerin dann doch. Sie sagt: „Hauptberuflich bin ich eigentlich Mutter.“ Sie versucht viel Zeit mit ihrem 15-jährigen Sohn zu verbringen und ihre 20-jährige Tochter in Neuss so oft es geht zu besuchen. Seit 20 Jahren lebt die gelernte Hotelfachfrau, die ihre Ausbildung im ehemaligen Neusser Swissôtel absolvierte, in den USA. Dorthin verschlagen hat sie die Liebe. Ihr Ehemann arbeitet dort. „Wir leben sehr ländlich hier in New Jersey“, berichtet Sabine Dworak, die ganz nebenbei auch noch in der Marketingbranche arbeitet und als eine Art Bauleiterin die Renovierung von Häusern daheim in den USA überwacht.

„Titanic“ nennt sich diese Figur – angelehnt an die berühmte Filmszene am Bug des Schiffs. Foto: Sabine Dworak

Und der Poledance? Während sich viele andere Frauen in ihrem Alter nicht mehr an die Stange wagen und kaum mehr Leistungssport betreiben, denkt Dworak noch lange nicht ans Aufhören. „Das Alter ist nur eine Nummer“, sagt sie. „Natürlich weiß ich nicht, wie lange ich noch bei einer WM mitmachen kann. Aber sollte die Sportart noch olympisch werden, würde ich vielleicht auch dort noch einmal antreten.“

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