Neuss: Plätze für Flüchtlinge werden verdoppelt

Neuss : Plätze für Flüchtlinge werden verdoppelt

Die Zahl der Flüchtlinge, die im ehemaligen Alexianerkrankenhaus in Neuss untergebracht sind, wird in Kürze von 200 auf 400 erhöht. Die Bezirksregierung Arnsberg handelt zurzeit außerdem eine Verlängerung des Mietvertrages aus.

Erst vor drei Monaten konnte die Bezirksregierung Arnsberg den Alexianerorden dazu bewegen, den Mietvertrag für die Flüchtlingsunterkunft im einstigen Alexianerkrankenhaus bis Ende Januar 2015 zu verlängern. Nun wird die Zahl der Plätze sogar aufgestockt: "Innerhalb der nächsten Tage werden dort 400 statt bisher 200 Flüchtlinge untergebracht", berichtet Christoph Söbbeler, der Sprecher der Bezirksregierung. Dies habe man mit dem Orden bereits aushandeln können. In weiteren Gesprächen sei man noch wegen einer erneuten Verlängerung des Mietvertrages. "Wir hoffen, bis Sommer kommenden Jahres dort bleiben zu können. Die Verhandlungen sind erfolgversprechend."

Seit Oktober 2012 leben in dem früheren Krankenhausgebäude Asylbewerber für jeweils zwei bis drei Wochen. In dieser Zeit durchlaufen sie die Eingangsuntersuchungen. Anschließend werden sie auf andere Unterkünfte verteilt.

"Wegen der hohen Zugangszahl an Flüchtlingen sind die Plätze dringend nötig", erklärt Söbbeler. Die Menschen kämen aus Syrien, "aber auch aus vielen anderen Krisenherden der Welt, zum Beispiel aus Afrika". Die Situation sei für das Land NRW schwierig, denn die Unterkünfte reichten nicht aus. "Jeder zusätzliche Platz, den wir bekommen können, lohnt sich, selbst nur für einen Tag."

Die Stadt Neuss hat mit der Unterkunft im einstigen St.-Alexius-Krankenhaus nichts zu tun. "Es ist eine landeseigene Einrichtung und wird somit auch vom Land finanziert", sagt Söbbeler. Trotzdem verfolgt man bei der Stadtverwaltung das Geschehen am Alexianerplatz. "Es ist für uns interessant zu wissen, wie viele Flüchtlinge dort untergebracht sind", sagt Stadtsprecher Peter Fischer. Denn die Plätze werden auf den Neusser Flüchtlingsbestand und auf die Aufnahmequote angerechnet. Zuweisungen von Asylbewerbern fänden seit Jahresbeginn nur noch im Rahmen von Familienzusammenführungen oder Asylfolgeanträgen statt. Bislang seien es nur 22 Personen gewesen - im gesamten Vorjahr dagegen 171, teilt die Verwaltung mit.

Spätestens mit Schließung der Landeseinrichtung muss Neuss jedoch wieder eine größere Zahl an Asylbewerbern aufnehmen, und zwar innerhalb sehr kurzer Zeit. Aus diesem Grund und weil der Mietvertrag für die Unterkunft an der Hülchrather Straße endet, entsteht zurzeit am Berghäuschensweg 92 ein neues Heim mit 100 Plätzen. "Die Fundamente stehen", berichtet Fischer. "Wenn das Wetter mitspielt, gehen wir davon aus, dass das Gebäude bis Ende des Jahres steht." Bereits im November sollen die ersten Bewohner einziehen.

Das Gebäude wird in Leichtbauweise errichtet. Es wird zweigeschossig sein und aus drei separaten Baukörpern bestehen, die über Außentreppen verbunden sind. Die 16 abgeschlossenen Wohnungen haben jeweils drei Wohn- beziehungsweise Schlafräume, Küche und Bad. Hinzu kommen Gemeinschaftsräume und Büros. Vor dem Haus wird es eine Spiel- und Aufenthaltsfläche für unterschiedliche Altersgruppen geben.

Parallel dazu versucht die Stadt nach eigenen Angaben, die Flüchtlinge möglichst schnell aus den städtischen Übergangsheimen - neben Berghäuschensweg und Hülchrather Straße befinden sie sich an der Bergheimer Straße und am Derendorfweg - in private Wohnungen zu vermitteln. Abgesehen von rechtlichen Beschränkungen sei allerdings das Wohnungsangebot für die teilweise sehr großen Familien oft nicht ausreichend.

(NGZ)