Neuss: Piraten-Chef Paul will wieder antreten

Neuss : Piraten-Chef Paul will wieder antreten

Rekord: In keinem anderen NRW-Kreis hat die junge Partei so viele Mitglieder wie im Rhein-Kreis. Die Piraten aus dem Land von Rhein und Erft geben auch überregional den Ton an. Joachim Paul will Chef der Landtagsfraktion bleiben.

Das Orange springt sofort ins Auge. Die Hausfarbe der noch jungen Partei signalisiert, dass die Piraten dort an der Erftstraße ihr Quartier aufgeschlagen haben. Das Wahlkreisbüro ist ganz real. Bei Mitarbeiter Hugo Hoff laufen die Fäden zusammen, die auch zu kreisweit 210 Mitgliedern führen – die von einer "virtuellen Geschäftsstelle" organisiert werden. 210 Mitglieder – damit sichern sich die Piraten hierzulande einen Superlativ: In keinem anderen nordrhein-westfälischen Kreis hat die Partei mehr Mitglieder. Das spiegelt sich auch überregional wieder: mit Christina Herlitschka (stellvertretende Vorsitzende), Daniel Neumann und Jörg Franke (beide Beisitzer) sitzt gleich ein Rhein-Kreis-Trio im Landesvorstand; mit Joachim Paul (Vorsitzender) und seinem Stellvertreter Lukas Lamla stehen zwei Neusser Piraten an der Spitze der 20-köpfigen Düsseldorfer Landtagsfraktion. Neusser sind halt gut vernetzt ...

Diese geografischen Zuordnungen sind Joachim Paul nicht so wichtig. Seit Mai 2012 ist er Landtagsabgeordneter, seit Mai 2012 ist er Vorsitzender der Landtagsfraktion. Ob er es hören mag oder nicht: Der Neusser ist der Oberpirat im Lande und gibt seiner Partei ein Gesicht. "Politik bereitet mir immer noch viele Freude", sagt der Biophysiker aus dem Neusser Süden und kommt zu dem selbstbewussten Schluss: "Ich habe auch einen guten Job gemacht." Dabei räumt er Fehler durchaus ein: "Den ein oder anderen Kollegen bin ich vielleicht auch schon mal zu heftig angegangen." Konsequent kündigt Joachim Paul an, dass er im Frühsommer wieder für den Fraktionsvorsitz kandidieren wird, wenn seine einjährige Amtszeit ausläuft. Dann wird die neue Amtszeit zwei Jahre betragen. Dass Personaldebatten die Berichterstattung über die Piraten beherrschen, findet Paul nicht schön, kann er aber auch mit leben: "Bei uns laufen Prozesse eben transparent ab. Auch Streit." Dabei habe es durchaus "viele kleine Erfolge" gegeben. Zum Beispiel habe seine Partei das Thema "Digitale Medien in den Schulen" vorangebracht. "Wir sind nicht besser als andere", sagt der nordrhein-westfälische Oberpirat, "aber wir haben einen neuen Blickwinkel als andere eingenommen."

Joachim Paul ist zuversichtlich, dass die Piraten-Idee auch in der Zukunft trägt. "Wir kommen in den Neusser Stadtrat", sagt sein Mitstreiter Lukas Lamla, "und zwar mit mehr als fünf Prozent." Dabei strebt er wie Paul keinen Sitz im Ratssaal an: "Das wird zu viel. Die Arbeit im Landtag beschert mir schon Zwölf- bis Vierzehn-Stunden-Tage." Die personelle Basis der Piraten sei aber in Neuss so breit, "dass wir keine Schwierigkeiten haben werden, alle Wahlkreise zu besetzen". Lamla selbst kann sich vorstellen, "wenn es die Partei wünscht", im Stadionviertel auf Stimmenjagd zu gehen. Einen guten Listenplatz strebe er aber nicht an. Aber die Piratenpartei sei auf das Thema Kommunalwahl 2014 noch nicht vorbereitet.

Ein Jahr später steht die Bürgermeister-Wahl an. Werden die Piraten einen eigenen Kandidaten aufstellen? "Möglich", denkt Lamla laut nach, "wir könnten aber auch prüfen, ob wir den Kandidaten einer anderen Partei unterstützen." Wen? Reiner Breuer oder einen Bewerber aus dem bürgerlichen Lager? Das Antwort-Lächeln sieht irgendwie nach "Neuss würde ein Wechsel gut tun" aus. Ein inhaltliches Konzept für die Kommunalpolitik soll erarbeitet werden, wird aber wohl erst nach der Bundestagswahl vorliegen.

Am 22. September treten die Kreis-Piraten mit zwei Direktbewerbern an. Im Wahlkreis 108 (Dormagen, Grevenbroich, Neuss, Rommerskirchen) geht die Medizinstudentin Bianca Staubitz (29) in Rennen, die ihre Themenschwerpunkte in der Bildungs- und Gesundheitspolitik setzt: "Ich engagiere mich vor allem für die Interessen des Pflegepersonals." Kandidat für Wahlkreis 110 (Jüchen, Kaarst, Korschenbroich, Meerbusch und Krefeld-Süd) ist Maschinenbautechniker Wilhelm Frömgen (30) aus Glehn.

(NGZ)
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