Hans Christian Markert: Pilotanlage für Kunststoff-Kreislauf passt nach Dormagen

Hans Christian Markert: Pilotanlage für Kunststoff-Kreislauf passt nach Dormagen

Grünen-Landtagsabgeordneter aus Kaarst über Chancen, die sich durch den Enquete-Bericht für den Chemiestandort Rhein-Kreis eröffnen.

Herr Markert, der NRW-Verband der Chemischen Industrie (VCI) lobt den unter Ihrer Führung erstellten Enquete-Bericht als "starkes Signal". So viel industrieller Rückenwind für einen Grünen ist selten. Wir haben Sie das geschafft?

Hans Christian Markert Wir Grünen sind nicht industriefeindlich. Im Gegenteil. Wir treten für eine Industriekultur ein, die nachhaltig ist. Darum war es mir als Vorsitzendem wichtig, zu einem einstimmigen Votum zu kommen. Das ist uns auf 460 Seiten mit 58 Handlungsempfehlungen gelungen. Das freut mich.

Bedeutet so viel Konsens nicht Harmonie auf niedrigem Niveau?

Markert Nein, nein. Das ungeteilte Ja zum Bericht, getragen von allen fünf Landtagsfraktionen und allen Sachverständigen, verleiht unseren Ergebnissen Glaubwürdigkeit und Aussagekraft. Das geschlossene Auftreten der Kommission ist ein starkes Bekenntnis zum Chemiestandort Nordrhein-Westfalen.

Machen Sie Ergebnis und Lob der Enquete-Arbeit stolz?

Markert Stolz ist das falsche Wort. Ich freue mich, dass uns offenbar ein großer Wurf gelungen ist.

Was hat denn der Chemiestandort Rhein-Kreis Neuss vom soeben vorgelegten Enquete-Bericht?

Markert In NRW gibt die Chemie-Branche rund 100 000 Menschen Arbeit, zehn Prozent davon sind im Chempark Dormagen beschäftigt. Wenn wir in der Kommission gute Arbeit geleistet haben, dann profitieren Arbeitgeber, Arbeitnehmer, die Städte, aber hoffentlich auch alle Bürger und die Umwelt davon. Welche Bedeutung der Rhein-Kreis als Chemiestandort hat, zeigt, dass vier der 17 Kommissionsmitglieder aus dem Rhein-Kreis stammen: SPD-Kollege Rainer Thiel, der ehemalige Chempark-Leiter Walter Leidinger als Grünen-Sachverständiger, der VCI-Geschäftsführer Hans-Jürgen Mittelstaedt als FDP-Sachverständiger und eben ich als Vorsitzender.

Haben Sie nicht das angestrebte einstimmige Votum erhalten, in dem Sie auf Themen wie Preise, Infrastruktur, Pipeline oder Fracking verzichteten?

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Markert Ihre Stichworte kommen aus der Tagespolitik. Darum ging es überhaupt nicht. Die Kommission hat sich um innovative, nachhaltige Lösungen für die Chemieindustrie bemüht, um unseren Standort zu modernisieren und damit auf Dauer zu erhalten. Die Chemie muss weg von dem Image, dass es dort immer stinkt und pufft, wo produziert wird.

Nennen Sie bitte ein Beispiel für nachhaltige Chemieproduktion.

Markert Von Karsten Mankowsky, dem Umweltdezernenten des Rhein-Kreises, weiß ich, dass wir im Kreis jährlich rund 14 000 Tonnen Kunststoff aus den gelben Säcken generieren. Davon können wir etwa 60 Prozent, also 8 500 Tonnen wiederverwerten. Zum Beispiel als Dämmstoffe. Immer wenn wir die Kreislaufwirtschaft stärken, sind wir nachhaltig.

Und was haben Unternehmen und Menschen im Rhein-Kreis Neuss von Ihren nachhaltigen Ideen? Gibt es konkrete Projekte?

Markert Ich kann mir zum Beispiel eine Pilotanlage für den soeben beschriebenen Kunststoff-Kreislauf in Dormagen vorstellen. Das kann auch finanziell interessant sein. Wir können uns vorstellen, dass für so ein Pilotprojekt auch Fördermittel aus Brüssel zu erhalten sind.

Wo könnte der Rhein-Kreis sonst noch profitieren? Vielleicht im Bereich Forschung und Wissenschaft? Haben Sie da eine Idee?

Markert Diese innovativen Ansätze müssen wissenschaftlich untermauert und begleitet werden. Ich könnte mir einen Lehrstuhl etwa als Dependance der Hochschule Niederrhein im Rhein-Kreis Neuss vorstellen, der sich schwerpunktmäßig mit der Kreislaufwirtschaft beschäftigt.

LUDGER BATEN FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(NGZ)
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