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Neuss: Pierburg sieht Zukunft in Neuss

Neuss : Pierburg sieht Zukunft in Neuss

Die Zusammenlegung von zwei Fertigungsstätten soll Pierburg Deutschland internationale wettbewerbsfähig halten. Doch die Entwicklung zu einem Kompetenzzentrum kostet auch rund 100 Arbeitsplätze.

Mönchengladbach und Nettetal hatten sich auch beworben, doch den Zuschlag, Standort der neuen Fertigungsstätte des Automobilzulieferers Pierburg zu werden, erhielt Neuss. Aus zwei entscheidenden Gründen, wie Peter Sebastian Krause, Vorstandsmitglied der Muttergesellschaft KPSG AG, gestern nach Unterzeichnung des Kaufvertrages für das neue Werksgrundstück auf der Hafenmole I hervorhob: die Nähe zur Forschungsabteilung, die weiter in der Neusser Nordstadt beheimatet bleiben wird, und der Standort im Ballungsraum Neuss-Düsseldorf, dessen Attraktivität auch als Wohnort Pierburg künftig nützen soll im Werben um junge Talente.

Foto: pierburg

Bei der Entscheidung, die Standorte neu zu strukturieren und das Werk Nettetal auf Sicht aufzugeben, ist das Unternehmen auch ein Getriebener. Die Automobilindustrie wächst in Märkten, in denen der Konzern weniger stark präsent ist, während die Mechatronic-Sparte, für die im Mischkonzern KPSGAG der Name Pierburg steht, 70 Prozent in Europa erwirtschaftet. Anpassung an diese Entwicklung ist eine Forderung der Stunde — und Absicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Werke.

"Wir befreien uns von einer zu groß gewordenen Infrastruktur an zwei alten Standorten", nannte Krause einen Effekt der Zusammenführung. Das neue Werk auf dem ehemaligen Case-Gelände soll ein Kompetenzzentrum werden. Pierburgs Leitwerk weltweit für den wachsenden Markt mit Magnetventilen, wie es Stefan Knirsch als Chef der Sparte Mechatronics ausdrückte, und zugleich Basis für die Entwicklung neuer Produkte. Dafür steht die Gießerei, die Pierburg von Nettetal nach Neuss verlagert.

Die Zusammenlegung wird auch Jobs kosten. Von derzeit 700 Mitarbeitern in der Fertigung in Neuss und Nettetal bleiben etwa 600 im neuen Werk. "Eine bittere Pille", wie Krause betonte. Trotzdem wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Stattdessen soll die Tatsache genutzt werden, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre ohnehin 270 Mitarbeiter in Rente gehen werden. Und Pierburg hofft, dass die wachsende Sparte Magnetventile in der Fertigung die aktuell weniger gefragten Produkte aus dem Nettetaler Werk kompensieren hilft. Das ist derzeit nicht ausgelastet, weshalb noch vor dem Jahreswechsel erste Nettetaler zu Pierburg in Neuss wechseln werden.

Krause hofft, dass es am Ende möglichst viele sind. Über mögliche Beihilfen wird noch verhandelt. Gleichwohl bringt auch die Belegschaft für das hohe Gut eines sicheren Arbeitsplatzes Opfer. Ein Ergänzungstarifvertrag sieht den Verzicht auf Urlaubsgeld und nur zeitversetzt weitergegebene tarifliche Gehaltserhöhungen vor.

(NGZ)