Picnic: Start-up-Gründer Frederic Knaudt im Interview

Fragen an Gründer Frederic Knaudt: Neusser Start-up Picnic liefert Lebensmittel an die Haustür

Der neue Lebensmittel-Lieferdienst Picnic aus Neuss steht kurz vor der offiziellen Eröffnung. Bevor am 11. April der Startschuss fällt, haben wir Deutschland-Gründer Frederic Knaudt fünf Fragen gestellt.

Frederic Knaudt ist einer der drei Gründer des Unternehmens Picnic aus Neuss. Und er weiß, wie man ein Start-up aufzieht: Schon in Berlin hat er das Unternehmen "Kochzauber" gegründet, das Rezepte und Zutaten in Paketen an die Kunden schickte. Mittlerweile wurde "Kochzauber" vom Lebensmittel-Discounter Lidl gekauft.

Die Picnic-Testphase läuft seit Oktober - damals hieß das Unternehmen noch "Sprinter" - und endet in der kommenden Woche. Picnic ist in den vergangenen sechs Monaten permanent gewachsen: Mehr Mitarbeiter, mehr Autos, ein größeres Sortiment und dementsprechend auch mehr Kunden. Wir haben mit dem Picnic-Gründer gesprochen.

Herr Knaudt, erklären Sie uns bitte, was Picnic eigentlich ist...

Frederic Knaudt Picnic ist der neue Online-Supermarkt für Jedermann. Bei uns gibt es alle Produkte, die man aus dem Supermarkt kennt - zum günstigen Preis und gratis nach Hause geliefert. Picnic will der beste Milchmann der Welt sein. Wir wollen ein tolles Team aufbauen und allen einen guten Arbeitsplatz bieten. Wir glauben, das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Ihre Autos sind keine klassischen Lieferwagen. Was ist das Besondere?

Knaudt Das Konzept für das Auto haben wir selbst entwickelt. Wir haben darauf geachtet, was optimal für eine Online-Lebensmittellieferung ist. Unsere Autos sind nur 1,35 Meter breit, somit behindern wir nicht den Verkehr in den Straßen. Und der Fahrer kann die Lebensmittel von den Seiten entnehmen, damit ist er deutlich effizienter und schneller, als wenn er sie aus dem Kofferraum holen muss. Die Autos werden elektrisch betrieben und sind damit nachhaltig.

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Wie groß ist die Konkurrenz und was unterscheidet Sie von ihr?

Knaudt Es gibt einige Konkurrenten, die schon seit einiger Zeit versuchen, online Lebensmittel anzubieten. 95 Prozent unserer Kunden kaufen erstmals online Lebensmittel ein. Ich glaube, es gab in der Vergangenheit noch nicht das große Angebot. Es war oft teurer, als im Supermarkt einzukaufen. Und ich als Kunde will zu Hause auch nicht zwei Stunden oder länger warten, bis es klingelt - oder auch nicht. Bei uns muss man nicht auf seine Lebensmittel warten. Wir haben ein Lieferzeitfenster von 20 Minuten und die Kunden können über die App ganz einfach nachverfolgen, wo der jeweilige Fahrer gerade ist.

RP-Redakteur Stephan Seeger im Picnic-Outfit: So durfte Seeger eine Tour mitfahren. Foto: Antje Seemann

Schreiben Sie schon schwarze Zahlen? Wer finanziert das Ganze?

Knaudt Das Konzept kommt aus Holland. Dort sehen wir, dass es ungefähr ein halbes Jahr dauert, bis ein solches "Hub" wie hier profitabel ist. Ein "Hub" ist der Ort, von dem eine Region beliefert wird, quasi ein Umschlagplatz für Waren. Wir werden hier relativ schnell profitabel sein. Das Gesamtunternehmen befindet sich im Wachstum, und natürlich investieren wir weiterhin in dieses Wachstum. Es gibt also weiterhin Finanzierungsbedarf.

Glauben Sie nicht, dass das Einkaufen als Erlebnis verloren geht, wenn die Menschen bei Picnic bestellen?

Knaudt Ich hatte zuletzt eine Kundin am Telefon, die sagte zu mir, dass sie mit ihren zwei 'Rebellen' - gemeint waren ihre Kinder - nicht mehr in den Supermarkt muss. Sie war froh über unser Angebot. Und ich glaube auch, dass die Leute zum Großteil jede Woche die gleichen Produkte kaufen. Deshalb ist das kein besonderes Einkaufserlebnis. Hinzu kommt noch, dass die Leute durch Supermarktregale laufen und Tüten schleppen müssen und erstmal einen Parkplatz suchen müssen. All das sind negative Erlebnisse, die die Kunden bei uns nicht haben.

(seeg)