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Neuss: Pferde-Unfall zu den Akten

Neuss : Pferde-Unfall zu den Akten

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen zwei Jugendliche eingestellt, die beim Further Schützenfest auf das Pferd des Jägermajors geschossen haben sollen. Das Pferd hatte in Panik mehrere Schützen verletzt.

Der Fall hatte für Diskussionen im gesamten Rhein-Kreis gesorgt: An Pfingsten war das Pferd des Jägermajors beim Schützenfest auf der Neusser Furth plötzlich losgaloppiert und hatte ein halbes Dutzend Schützen und Musiker verletzt, darunter auch mehrere Edelknaben.

Die gute Stimmung während des Schützenfestes war dahin, im gesamten Kreisgebiet wurde der Einsatz von Pferden in Schützenumzügen in Frage gestellt. Einige Tage später stand dann fest: Das Pferd ist offenbar von unbekannten Tätern attackiert worden. Als zwei Jugendliche aus Neuss festgenommen wurden, schien der Fall geklärt — jetzt allerdings mussten die Ermittlungen gegen die beiden Jungen eingestellt werden.

"Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die beiden 18-Jährigen auf das Pferd geschossen haben", sagt Staatsanwalt Johannes Mocken, "wir haben jedoch keinem der beiden eine konkrete Tat nachweisen können." Die beiden Jugendlichen hätten sich in ihren Vernehmungen jeweils gegenseitig belastet, so Mocken, unabhängige Zeugen habe es nicht gegeben. "Letztlich hatten wir keine andere Wahl — wir mussten das Verfahren gegen die beiden einstellen."

Dabei steht für die Ermittler so gut wie fest, dass einer der beiden die Tat begangen haben muss. Ein Mädchen hatte nämlich mit angehört, wie die beiden Jungen sich auf offener Straße lautstark über den Angriff auf das Majors-Pferd unterhalten hatten. "Das Mädchen hat daraufhin seine Mutter informiert, die ist wiederum zur Polizei gegangen", so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Vernehmungen der beiden Jungen hätten sich schwierig gestaltet. Beide seien, so der Behörden-Sprecher, "einfach strukturiert", einer der beiden sei immer wieder in Tränen ausgebrochen, sogar mit Selbstmord habe er gedroht.

Den genauen Hergang des Angriffs auf das Pferd habe man trotz aller Bemühungen nicht aufklären können. "Mit Hilfe eines Tierarztes haben wir herausfinden können, dass das Pferd am Hinterteil von einem spitzen Gegenstand getroffen worden war, entweder von einer Stichwaffe, vermutlich aber vom Projektil einer Softair-Waffe", berichtet Mocken.

Es sei allerdings nicht möglich, beide wegen einer gemeinschaftlichen Tat zu verurteilen. Dafür müsste es einen gemeinsamen Tatentschluss gegeben haben — auch den habe man aber nicht nachweisen können. "Es war eine schlimme Tat mit erheblichen Folgen", sagt der Staatsanwalt und weiß, dass die Bevölkerung für die Einstellung des Verfahrens wohl nur wenig Verständnis aufbringen wird, "dennoch können wir einen Beschuldigten nicht nur wegen einer bloßen Ahnung anklagen und vor Gericht bringen."

(NGZ)