1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Pfarrkirche St. Peter stellt Kunst aus dem Knast in Neuss aus

Ausstellung in Rosellen : Kunst – vom Knast in die Kirche

Die Pfarrkirche St. Peter Rosellen stellt vom 8. bis 22. November Werke von Künstlern und Häftlingen aus sechs NRW-Gefängnissen aus.

Christa Brinckmann besucht einmal die Woche die Justizvollzugsanstalt Düsseldorf. Dort unterrichtet die 82-Jährige Deutsch. Für Häftlinge, die sich nach ihrer abgesessenen Strafe auf Lehrstellen bewerben und sich wieder in die Gesellschaft eingliedern wollen. Seit 20 Jahren engagiert sich Brinckmann im katholischen Gefängnisverein. Für die nächste Kunstausstellung in der Pfarrkirche Rosellen hat sie das Thema „Drinnen Draußen“ gewählt. Es wird Kunst ausgestellt, die im Knast entstanden ist.

Durch die Kunstgruppen in den Gefängnissen orientieren sich die Straffälligen neu, bauen Frust ab und beginnen langsam ihre neuen Zukunftspläne aufzubauen. Das Werk eines Düsseldorfers zeigt beispielsweise einen ganz langen Tunnel. Am Ende dieses Tunnels ist ein Licht, verrät Brinckmann. Ein Bild aus Hagen trägt den Titel „Das Gericht“. Darauf sind schwarz gekleidete Männer mit Heiligenschein zu sehen. Mittendrin ein Inhaftierter.

„Ich bin schon sehr gespannt die restlichen Bilder zu sehen“, sagt Brinckmann. Die ersten Kunstwerke hat sie selbst aus den Gefängnissen in Werl, Hagen und Düsseldorf abgeholt und in ihrem Keller gelagert, bis der große Aufbau am heutigen Dienstag in der Pfarrkirche startet. Weitere Werke aus den Gefängnissen in Geldern, Essen und Köln werden Brinckmann zugeschickt. Insgesamt 30 Bilder sind in der Vernissage zu betrachten. Ein zehnköpfiges Team des Pfarrgemeinderats Neusser Süden organisiert zum fünften Mal die Kunstausstellung in Rosellen. Bereits vor einem Jahr haben sie über das Justizministerium Kontakt zu den Gefängnissen der Region aufgenommen und gefragt, ob Interesse bestehe, an dieser Kunstausstellung der Pfarrgemeinde teilzunehmen.

Christa Brinckmann möchte, dass die Kirche für jeden zugänglich ist. „Wir sind eine Geh-hin-Kirche, wir wollen zu den Menschen hingehen“, sagt Brinckmann. „Wir hoffen aber auch, dass Menschen kommen, die sonst nicht in den Gottesdienst gehen. Und dass wir über die Kunst ins Gespräch kommen“, erklärt sie. „Wir wollen ein Miteinander fördern – christlich und menschlich“, sagt Brinckmann.

Die zweiwöchige Galerie wird von einem breiten Rahmenprogramm begleitet. So wird es etwa eine Wortgottesfeier der Kfd mit den Künstlern geben. Auch der Oberpfarrer der Bundespolizei, Stephan Becker, wird eine Messe halten. Im Anschluss der Veranstaltungen werden Wein und Brot bereitstehen.

„Vielleicht erreichen wir durch die Ausstellung auch, dass die Menschen anders über Häftlinge denken. Denn sie leben außerhalb unserer Gesellschaft“, sagt Brinckmann. Es gebe immer noch viele Vorurteile, die Menschen hätten Angst und würden sich fürchten. Brinckmann setzt als bestes Beispiel dagegen. Ein Häftling, der einen Mord begangen hat, komme sie regelmäßig zum Kaffee besuchen. „Die Leute fragen mich, wie ich so jemanden in mein Wohnzimmer lassen kann. Ich sage dazu immer: ‚Wir sehen den Menschen und die Justiz sieht die Tat‘.“