1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Peter Behrens, 1910 - schon erster Masterplan für Neuss blieb unvollendet

Auf den Spuren von Peter Behrens in Neuss : Schon Neuss’ erster Masterplan blieb unvollendet

Maler, Designer und Architekt Peter Behrens skizzierte Ideen für ein geschlossenes Wohnquartier an der „Drusus- und Sternstraße“.

Karl Heinz Baum (78, CDU) bleibt gelassen: „An Papieren fehlt es uns in Neuss nicht.“ 20 Jahre leitet der erfahrene Ratsherr jetzt schon den Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung (APS). Wie viele Gutachten, Konzeptpapiere und Masterpläne in diesen Zeitraum über seinen Schreibtisch gegangen sind, hat er nicht nachgehalten. Es waren viele. Eine Projektarbeit mehr oder weniger lässt ihn da nicht mehr hektisch reagieren. Woran es fehlt, sagt er umso klarer: „Wir müssen endlich anfangen, von den guten Ideen etwas umzusetzen.“

Die aktuellen Entwürfe teilen das Schicksal ihrer Vorgänger. Viele wurden nie verwirklicht oder nur in Bruchteilen. Das kühne Stadtentwicklungskonzept, von Oswald Mathias Ungers Anfang der 1990er Jahren vorgelegt, sah ein Stadttor zur Frings-Brücke, einen Hotel- und Büroturm sowie Wohnhochhäuser, Castrum genannt, vor. Ein Fall fürs Archiv, der allenfalls Erinnerungen wachruft. Ein anderes bekanntes Beispiel liegt bereits mehr als hundert Jahre zurück. 1907 wurde das Gesellenhaus an der Sternstraße nach Plänen des Wettbewerbssiegers Peter Behrens errichtet, dem Mann, nach dem heute die Hochschule Düsseldorf für Architektur und Design benannt ist: die Peter Behrens School of Arts.

  • Das Siegerteam Wienstroer / Scape setzt
    185 neue Wohnungen in Unterbilk : Neusser plant grünes Großprojekt in Düsseldorf
  • Magdalena Just ist Prostitutionsbeauftragte des Kreises.
    Corona Auswirkungen im Rhein-Kreis Neuss : „Die Wohnungsprostitution wächst“
  • Für die Quarantäne gibt es keine
    Corona im Rhein-Kreis Neuss : Gesundheitsamt gibt Kontaktverfolgung auf

Der Gebäudekomplex, mit dessen Architektursprache Behrens seinen Weg in die Moderne belegte, begeisterte den Rechtsanwalt Johannes Geller. Er beauftragte Behrens, eine Ideenskizze für ein Etagenhäuser-Projekt an Sternstraße und Drususallee, die damals noch Drususstraße hieß, zu entwerfen. Das 2,2 Hektar große Areal, das Geller gehörte, war unbebaut. Um einen Platz in der Mitte konzipierte Behrens keine damals übliche Villenkolonie, sondern geschossige Häuserzeilen für ein geschlossenes Wohnviertel. Elmar Siepe, von 1956 bis 1963 Stadtplaner in Neuss, schrieb in einem Aufsatz für das Neusser Jahrbuch 1961 über Behrens’ Entwurf, dass er in ihm „ausgesprochen soziale Tendenzen“ sehe. Die Skizzen liegen bis heute im Stadtarchiv, realisiert wurden sie nie. Ein Schicksal, dass der Behrens-Entwurf, in dem Experten so etwas wie ein erstes Stadtentwicklungskonzept für Neuss sahen, mit anderen „Masterplänen“ teilt.

Doch komplett sind die Ideen von Peter Behrens nicht in den Tiefen des Archivs verschwunden. Für drei Häuser-Gruppen kam die Vorlage, nach der Architekt Konstantin Wienstroer mit Büro an der Erftstraße tätig wurde, aus seiner Ideenwerkstadt. Sie sind auch heute noch im Stadtbild vertraut. Da sind drei Jugendstil-Häuser an der Kaiser-Friedrichstraße – Nummer 22, 24, 26; Nummer 28 wurde im Krieg zerstört –, nahe dem Hotel Viktoria. In einem wohnte viele Jahre lang der bekannte Neusser Läufer und Maler Jürgen Spira. Und da sind die Häuser an der Drususallee, westlich des Drususplatzes: die Nummern 73, 75, 77 und 70 sowie 95 und 97. Alle drei Ensembles sind in Privateigentum und werden von ihren Bewohnern in einem sehenswerten Zustand gehalten.

In Hamburg 1868 geboren war Peter Behrens nicht nur ein Großer seiner Zeit, sondern seine Ideen beeinflussen das tägliche Leben der Gesellschaft bis heute. Zunächst arbeitete Behrens als Maler, dann als Architekt. Er war Mitbegründer des Deutschen Werkbundes und gilt als Erfinder des Corporate Design, der bei der damaligen AEG vom Erscheinungsbild und Werbung über die Form der Produkte bis hin zu den Werkhallen alles in einer einheitlichen Designsprache gestaltete. In seinem Architekturbüro arbeiteten Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier, die später berühmten Köpfe der Bauhaus-Bewegung. Wenn aktuell hundert Jahre Bauhaus gefeiert wird, dann feiert Peter Behrens als ein Inspirator des Bauhaus mit. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) unterhält sein Industriemuseum in Oberhausen. Im Peter-Behrens-Bau wird aktuell auch eine Dauerausstellung gezeigt, die „Kunst und Technik“ des großen Visionärs näherbringt.

Zwei Mal arbeitete Peter Behrens in Düsseldorf; als Direktor der Kunstgewerbeschule (1903 bis 1907); 1921 wurde er an die Kunstakademie berufen. Seine Neusser Spuren hat er westlich der Innenstadt gesetzt. Für den Neusser Architekten Eckehard Wienstroer (55) ist Behrens „ein großer Erfinder und Lehrer“. Sein Urgroßonkel Konstantin Wienstroer war es, der nach den städtebaulichen Skizzen von Behrens an der Drususallee und der Kaiser-Friedrich-Straße drei Häuser-Ensembles als Architekt für den Bauherrn Johannes Geller realisierte. Darauf ist auch Eckehard Wienstroer stolz, der daraus zugleich einen Auftrag bis in die Gegenwart ableitet: „Das ist vielleicht etwas, was man sich merken sollte. Es bestand der Anspruch, einen Schritt voraus zu sein, nicht aus reinem sportlichen Interesse, sondern weil es der Sache dient.“ Was damals galt, ist nach Ansicht von Wienstroer auch heute für ihn, seine Kollegen, städtische Planer und Bauherren gültig: „Nicht im Mittelmaß verharren, sondern das bessere versuchen.“

Dazu gehören gute Pläne, dazu gehört aber vor allem auch Mut, die Papiere auch zu realisieren – denn davon, siehe Karl Heinz Baum, gibt es genug.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schon Neuss’ erster Masterplan blieb unvollendet