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Neuss: Perfekte "JazzSommerNacht"

Neuss : Perfekte "JazzSommerNacht"

"The Night Is Young", der Song, den Sängerin Kathrin Scheer bei ihrem Auftritt in der "JazzSommerNacht" als Zugabe sang, ist der perfekte Soundtrack zu einer langen lauen Nacht, passend vom sanft wiegenden Rhythmus bis hin zum unbeschwerten Text.

Seit 2006 bildet die lange musikalische Nacht, die jeweils am letzten Freitag der Sommerferien in der Alten Post, auf dem Vorplatz und im Biergarten des Cafés stattfindet, den jährlichen Höhepunkt der von Philipp van Endert geleiteten Konzertreihe "Blue in Green". Wieder einmal boten sieben Formationen auf vier Bühnen insgesamt fast sieben Stunden Live-Jazz. Doch selten war das Wetter so warm und wolkenlos, selten die Stimmung so gelöst wie diesmal.

Das zeigte sich nicht nur beim Publikum, das den Augenblick genoss, sondern auch bei den Musikern, den Veranstaltern und allen Mitarbeitern hinter den Kulissen, denen man anmerkte, wie sehr ihnen die Sache am Herzen liegt. Sängerin Tossia Corman etwa war im Vorabendprogramm noch in letzter Minute für ein Ensemble eingesprungen, das krankheitsbedingt hatte absagen müssen.

Obwohl so kurzfristig nur zwei Mitglieder ihrer Band hatten mitkommen können, meisterte sie die Situation mit leichter Hand und verzauberte ihr Publikum auf dem Vorplatz mit Standards und eigenen Songs zwischen Jazz und Singer-Songwriter-Pop.

Im Foyer oder im Café spielten Philipp Wisser & Florian Zeeh, Clara Krum & Thilo Wehrmann sowie das Marius Peters Trio. Den Abend im Saal eröffnete eine Formation, die van Endert ankündigte als eine Gruppe, die "seit Jahrzehnten zum Besten gehört, was Deutschland im Jazz zu bieten hat".

Tatsächlich feierte das Engstfeld/Weiss-Quartett aus Düsseldorf im vergangenen Jahr mit der Doppel-CD "Forty Years" und einem Festkonzert sein 40-jähriges Bestehen. Auch jetzt gab das Quartett den Zuhörern ein Musterbeispiel für zeitlose Schönheit im modernen Jazz. Besonders in "Lament", einer Komposition von J. J. Johnson, zeigte Tenorsaxofonist Wolfgang Engstfeld wieder einmal seine große Meisterschaft im Balladenspiel.

Das Fusion-Quartett "Hochhäuser" führte zum Abschluss des Abends Einflüsse von Klassik bis Rock in seiner vielschichtigen Musik zusammen. Die bandeigene Metapher von vielen verschiedenen Grooves unter einem Dach würde auch zur Neusser JazzSommerNacht passen: Die Rhythmen von sieben Bands unter einem Dach in einer lauen Sommernacht ...

(stei)