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Neuss: Pendler ärgern sich über Wegfall der Linie 704

Neuss : Pendler ärgern sich über Wegfall der Linie 704

Seit gestern fährt die Straßenbahnlinie 704 nicht mehr in Neuss, vor allem für Pendler ein Ärgernis. Sie müssen auf die 709 ausweichen.

Miriam Koch steht an der Haltestelle Stadthalle und ärgert sich. "Als ich aus dem Bus ausgestiegen bin, habe ich die Straßenbahn 709 gerade noch wegfahren sehen", erzählt die 47-jährige Neusserin, die in Düsseldorf arbeitet. "Jetzt muss ich knapp zehn Minuten warten, bis die nächste kommt. Die Linie 704 hat da immer sehr gut gepasst, die Taktung ist jetzt einfach viel schlechter, das ist gerade für Berufspendler ärgerlich."

So wie Miriam Koch geht es seit gestern vielen Neussern, die nach Düsseldorf — und wieder zurück — fahren wollen. Konnten die Fahrgäste bisher ab der Haltestelle Stadthalle sowohl die Linie 704 als auch die Linie 709 nutzen, fährt die "Vier" jetzt nicht mehr in Neuss, sondern nur noch zwischen den Düsseldorfer Stationen "Merziger Straße" und "Südfriedhof".

"Insgesamt fallen durch die Verkürzung der Linie 704 pro Werktag etwa 30 Verbindungen weg, vor allem morgens und nachmittags zu den Stoßzeiten ist das ein Problem", sagt Michael Hohlmann, stellvertretender SPD-Ortsvereins-Vorsitzender und Mitglied des Stadtwerke-Aufsichtsrats. Der Service für die Neusser ÖPNV-Nutzer werde so rapide heruntergesetzt. "Mit den beiden Linien hatte man eine optimale Lösung, die sich die Stadt Neuss jetzt nicht mehr leistet. Durch den Wegfall sollen etwa 120 000 Euro eingespart werden, aber die Neusser Fahrgäste werden benachteiligt", so Hohlmann weiter.

Der SPD-Politiker befürchtet, dass aufgrund der neuen Straßenbahn-Situation nun viele Berufspendler auf das Auto umsteigen und damit die Südbrücke belasten. Auch die von der Rheinbahn in Aussicht gestellten größeren Wagen würden daran nicht viel ändern. "Diese Entscheidung der Stadt ist ein absolut falsches Signal, der ÖPNV muss attraktiv sein, das kann er nur mit dichten Taktzeiten und bezahlbaren Preisen."

Ähnlich sieht das Grünen-Ratsfrau Ingeborg Arndt. "Die Agenda sollte eigentlich darin bestehen, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen und nicht einzuschränken. Hier wird einfach ein großes Stück Komfortabilität für die Neusser weggenommen, gerade am Knotenpunkt Stadthalle wird das zu Stoßzeiten deutlich." Besonders ärgerlich ist für die Ratsfrau, dass der Wegfall der Straßenbahnlinie einfach beschlossene Sache ist. "Die Entscheidung ist ohne weitere Beratungen in der Politik passiert, das Thema ist nicht diskutiert worden. Die Grünen hätten sich definitiv etwas anderes gewünscht."

Georg Schumacher, Sprecher der Rheinbahn, erklärt die Verkürzung der Linie 704 mit einer Anpassung an den Bedarf des Fahrgastaufkommens. "Wir wollen unsere Kapazitäten besser verteilen und glauben, dass die Haltestellen, die von der Linie 704 jetzt nicht mehr angefahren werden, von der Linie 709 aufgefangen werden können." Die frei werdenden Kapazitäten sollen vor allem für bessere Verbindungen an das Düsseldorfer Hafengebiet genutzt werden. Allerdings, so Schumacher, sei die Fahrplanänderung nicht für alle Zeiten in Stein gemeißelt. "Wenn wir merken, dass der neue Plan nicht funktioniert, werden wir reagieren, mit Verstärkerlinien für die 709 oder ähnlichem."

(NGZ)