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Neuss: PCB-Werte endlich öffentlich

Neuss : PCB-Werte endlich öffentlich

Lange hatte die Verwaltung geschwiegen, jetzt legte sie im Schulausschuss die Ergebnisse der Raumluftmessung an der Dreikönigenschule vor. Die Untersuchung beweist eindeutig, dass die Sofortmaßnahmen nicht gegriffen haben.

Wie es weitergehen soll mit der Dreikönigenschule, ist die Frage, die sowohl Verwaltung als auch die Politik beschäftigt. Denn wie ein Gutachten des Ingenieurbüros Biomess zeigt, das gestern im Schulausschuss vorgelegt wurde, ist wegen der PCB-Belastung auf lange Sicht nicht damit zu rechnen, dass die Grundschule an der Weberstraße wieder geöffnet wird.

Die Messwerte (Auszug) belegen weiter hohe PCB-Konzentration in der Dreikönigenschule. Ab 300 Nanogramm sollte, ab 3000 muss saniert werden. Quelle: Biomess Foto: Scan Gutachten biomess

Denn auch nach einer ersten Sanierung mit so genannten Sofortmaßnahmen liegen die PCB-Werte in den meisten Räumen weiter über den Grenzwerten. Wie das Gutachten zeigt, ist nur in einem einzigem Raum die Belastung spürbar zurückgegangen.

Derzeit sind die Schüler in Räumen des Berufsbildungszentrums Hammfeld untergebracht, denn in der Dreikönigenschule gibt es kaum einen Gebäudeteil, der nicht mit dem krebserregenden Giftstoff PCB belastet ist. Sowohl die Deckenplatten als auch die Fugen der Ziegelwände und die Böden tragen zur Belastung der Raumluft bei.

Für eine Sanierung müsste die Schule komplett entkernt werden, heißt es in dem Gutachten des Sachverständigen Michael Oberloer, der den Bericht gefertigt hat. Denn der Giftstoff strahlt sowohl von Primärquellen aus — also dort, wo er als Baustoff verarbeitet wurde —, aber auch von Sekundärquellen, die über die Jahre dem PCB ausgesetzt waren und den giftigen Stoff nun selbst ausgasen.

Die Stadt hatte in den Sommerferien saniert, mit Folien waren die PCB-Primärquellen abgedeckt worden. Doch die Messwerte blieben hoch, die Schule musste geschlossen werden. Für die Abklebe-Maßnahme hatte sich die Stadt aus zwei Gründen entschieden: Sie versprach schnelle Abhilfe und war weitaus günstiger als die Alternativen, über die nun auch der Schulausschuss diskutierte. Denn eine vollständige Sanierung würde knapp sieben Millionen Euro, Abriss und Neubau sogar neun Millionen Euro kosten.

Das war das Ergebnis eines Runden Tischs, der bereits Ende Juni stattgefunden hatte. Folgt man dem Gutachten, ist letztere Option wohl der sinnvollste Weg. Denn würde die Schule saniert, müssten die Handwerker äußerst aufwendig vorgehen, besonders bei den Wandfugen, die nur schwer zu sanieren sind, wie es in dem Bericht heißt. Für die SPD bedeutet dies im Umkehrschluss, "dass viel Zeit und Arbeit umsonst investiert worden sind", so SPD-Ratsfrau Gisela Hohlmann mit Hinblick auf die Abklebearbeiten.

Jetzt geht es um die nächsten Investitionen: Die Verwaltung soll auf Antrag der CDU und FDP konkrete Zahlen vorlegen, wie viel ein Neubau der Schule kosten könnte. Im Haushaltsplan wurden zunächst nur rund 550 000 Euro an Planungskosten für die Dreikönigenschule eingestellt.

(NGZ/rl)