Paul Wehrhahn aus Neuss ist tot

Neuss: Ein großer Denker des Hauses Werhahn ist tot

Paul Werhahn gehörte über vier Jahrzehnte hinweg zu den Denkern und Lenkern des Neusser Familienunternehmens. Er wurde 91 Jahre alt.

In Deutschland und darüber hinaus steht der Name Werhahn seit fast 175 Jahren für ein florierendes Familienunternehmen mit heute weltweit 9000 Mitarbeitern und einem konsolidierten Jahresumsatz von drei Milliarden Euro. In Neuss dient der Name Werhahn als gutes Beispiel für den Unternehmergeist und die bürgerschaftliche Verantwortung rheinischer Kaufleute. Mit Paul Werhahn verstarb jetzt eine Persönlichkeit, die über vier Jahrzehnte zu den Denkern und Lenkern des Hauses Werhahn gehörte. Am Montag wird er auf dem Neusser Hauptfriedhof zu Grabe getragen.

Paul Werhahn wurde in Berlin geboren, wuchs an der Spree auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Neuss, die Heimatstadt seiner Eltern, auch seine Heimat. Beruflich trat er in das Familienunternehmen ein, übernahm 1963 die Verantwortung für die Ölmühle Werhahn & Nauen am Weißenberger Weg, deren Produktion er Anfang der 1970er Jahre mit einer Mainzer Ölmühle an einem Standort in Mainz zusammenführte. Auch über seine aktive Dienstzeit hinaus fand seine einordnende Stimme in Familie, Unternehmen und Gesellschaft Gehör.

Seinem Leitsatz "In der Beschränkung zeigt sich der Meister" folgte er selbst durchaus. Konzept statt Aktion. Diskretion statt Öffentlichkeit. Viele gute Ergebnisse, die in Neuss und darüber hinaus gern angenommen werden, verraten oft nicht, wer zu ihren Initiatoren gehört. Einer dieser diskreten Anstifter war im wahrsten Sinne des Wortes Paul Werhahn. So zählt er zu den "Verwandten des ehemaligen Erzbischofs von Köln, Josef Kardinal Frings", die sich 2005 bei der Gründung der "Stiftung Geburtshaus Papst Benedikt XVI." engagieren, mit dem Ziel das Geburtshaus in Marktl am Inn für die Öffentlichkeit zu erhalten. Das Projekt gelang.

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Der Neusser Kaufmann und Katholik Paul Werhahn war auch zur Stelle, als es darum ging, einen "Feldversuch Kirchenzeitung" zu finanzieren. Die Idee: Auch die 85 Prozent aller Katholiken, die ihrer Sonntagspflicht nicht nachkommen, soll Gottes Wort erreichen. Darum ließ Werhahn allen katholischen Haushalten in vier Pfarreien des Stadtdekanats Neuss 2003 einmal im Monat ein Exemplar der Kirchenzeitung zustellen. Als die Mitglieder der Bürgergesellschaft aufgerufen waren, für den Umbau und die Neukonzeption ihres Gebäudekomplexes an der Mühlenstraße zu spenden, war Paul Werhahn großzügig dabei. Bereits zuvor hatten ihn die Mitglieder der "Bürger" zum Ehrenmitglied gewählt.

Das österreichische Strobl war ihm und seiner im Dezember 2012 verstorbenen Frau Maria Josefine "Ria" zur zweiten Heimat geworden. Dort am Wolfgangsee verstarb Paul Werhahn am Sonntag. In der Friedhofshalle Strobl war er gestern aufgebahrt; in der Pfarrkirche wurde seiner in der Abendmesse gedacht. Die feierlichen Exequien werden am Montag um 10.30 Uhr in der Neusser Kirche St. Marien gehalten.

(NGZ)
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