Neuss: Paris-Tour endet mit Schrecken

Neuss : Paris-Tour endet mit Schrecken

Ein geplatzter Reifen, ein Busfahrer ohne Bargeld und ein französischer Pannenhelfer ließen einen Tagesausflug nach Paris für 50 Marienberg-Schülerinnen zu einer Geduldsprobe werden. Neun Stunden saßen sie fest.

Auf Eiffelturm und Louvre hatten sich die Schülerinnen des Marienberg-Gymnasiums gefreut als sie zum Schulausflug aufbrachen, doch fast so viel Zeit wie in Paris verbrachten die 14- bis 16-Jährigen am Ende auf dem Betriebshof eines französischen Pannendienstes. Hinter verschlossenen Toren, von Hunden bewacht, heulend, wie Betroffene daheim erzählten. Festgehalten, weil ihr Busfahrer — nachdem auf der Autobahn nahe Paris ein Reifen geplatzt war — nicht genug Geld hatte, um den Pannenhelfer auszahlen zu können. Erst als eine Lehrerin ihre private Kreditkarte zückte, kam die Gesellschaft wieder frei und mit neun Stunden Verspätung daheim an. Daraus werde man seine Rückschlüsse ziehen, kündigt Schulleiter Josef Burdich an, der zugibt: "Das Unternehmen war mir bisher nicht bekannt."

Auf Klassen- und Schulfahrten messen vor allem die Eltern dem Thema Sicherheit immer größere Bedeutung zu. Erst recht nach Unfällen wie Ende März, als in einem Schweizer Tunnel 22 Kinder bei einem Busunglück starben. Verpflichtende Kontrollen der Reisebusse vor der Abfahrt forderte unlängst der Landesverband des Elternvereins, dem sich der ADAC im wesentlichen anschließt. "Bei Busreisen nie das günstigste Angebot wählen", rät ADAC-Sprecherin Jacqueline Grünewald, die die Eltern auffordert, sich vor einer Tour ihrer Kinder über den Reiseveranstalter und den Zustand des Busses zu informieren. Denn manchmal, so weiß auch Burdich, setzen die am Ende Subunternehmer ein.

Für die Marienberg-Schülerinnen, darauf legt die Schulleitung Wert, habe zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden. Sie waren am Freitagabend mit zwei Bussen losgefahren, um den Samstag in Paris zu verbringen, und sollten Samstagabend wieder zurück sein. Was nur einem der beiden Busfahrer gelang. Der andere blieb schon kurz hinter Paris liegen, nachdem auf der Autobahn ein Reifen geplatzt war. Ein technischer Defekt oder gar abgefahrene Reifen seien auszuschließen, berichtete eine begleitende Lehrerin. Denn die Polizei, die den Bus überprüfte, hätte nichts zu beanstanden gehabt und auch kein Bußgeld erhoben. Irgendein Gegenstand auf der Straße müsse den Reifen zum Platzen gebracht haben. "Eine Reifenpanne. Das kann passieren", sagt Burdich, der sich gleichwohl wundert, warum der Fahrer nicht genug Geld hatte, um die Reparatur zu bezahlen.

Folge war, dass der Pannendienst die Busunterlagen einbehielt — und viele Telefonate folgten. Ein Problem: Die Hotline der Versicherung war nicht zu erreichen. Ein anderes: Die Kreditkarte des Fahrers hatte ein Limit, das bei 3000 Euro Reparaturkosten überstiegen war.

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