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Neuss: "Orion" erfolgreich gelandet

Neuss : "Orion" erfolgreich gelandet

"Kulturgeschichte pur" hat Reinhard Mlotek für seine erste Premiere der Spielsaison 2011/2012 im Theater am Schlachthof versprochen – und gehalten: "Raumpatrouille Orion" brachte das kleine Theater zum Beben.

"Kulturgeschichte pur" hat Reinhard Mlotek für seine erste Premiere der Spielsaison 2011/2012 im Theater am Schlachthof versprochen — und gehalten: "Raumpatrouille Orion" brachte das kleine Theater zum Beben.

Wie schon die Fernsehserie "Raumpatrouille Orion" in den 1960er Jahren, so hat auch das Theaterstück großes Potenzial, zum "Straßenfeger" zu werden. Denn die Mischung aus Science Fiction und Nostalgie — Regie führte Ralf Hubertus Borgartz — , untermalt mit einem liebevoll-ironischen Dauergrinsen, entpuppte sich als ungemein bestechend.

Mit sichtbarer Begeisterung schlüpften die acht Darsteller in die Rollen des Cliff Allister McLane und seiner Raumpatrouille, um in einer fernen, phantastischen Zukunft die Erde vor Angriffen aus dem All zu beschützen. Und mit deutschen Liedern der 1980er Jahre, die sich als verblüffend passend herausstellten, entstand tatsächlich ein Stück Kulturgeschichte, wenn auch auf höchst ironische Weise.

Nur wenige Minuten brauchten Christian Bartels (Cliff McLane), Anke Jansen (Sicherheitsbeauftragte Tamara Jagellovsk), Johann Wild (Mario de Monti), Jana Reiß (Helga Legrelle), Stefan Stechmann (Atan Shubashi), Sabine Barth (Lydia van Dyke), Robert Heinle (Winston Wamsler) und Sonja Hebestadt (SIE), um das große Publikum für die nächsten zweieinhalb Stunden zu elektrisieren.

Mit Hits von Nena und Trio

Neben den zum Teil albernen, aber irgendwie auch rührenden alten Hits von Nena, Geier Sturzflug, Grönemeyer, Hubert Kah, Trio, Ina Deter und vielen anderen schaffte dies vor allem die ansteckende Spiel-, Sing- und Tanzlust der Schauspieler. Ob der eine etwas weniger gut spielte oder die andere vielleicht ein paar falsche Töne sang, interessierte niemanden.

Insbesondere Sonja Hebestadt, die sich aufgrund einer Verletzung nur eingeschränkt bewegen konnte, füllte den Saal mit ihrer tollen, zweifellos geübten Stimme. Die Musik dazu wurde von einer fünfköpfigen Band live gespielt, was der gesamten Aufführung noch mehr Leidenschaft gab.

Auch die Choreografin Stefanie Rahn hatte ganze Arbeit geleistet und rhythmische, ansehnliche und abwechslungsreiche Tänze mit durchaus bekannten Elementen zusammengestellt, die dem grandiosen, über allem schwebenden Augenzwinkern Nachdruck verliehen.

Zu guter Letzt zeugten auch die bunten, detailliert gestalteten Kostüme von Sergio Abajour und das gelungene Bühnenbild von Jeff Roth, Raimund Fliegel und Luca Freudenberg von beeindruckender Hingabe und Freude an der Arbeit.

So war es überhaupt nicht verwunderlich, dass am Ende des langen, lustigen, mitreißenden Abends, während die eine oder andere Melodie noch im Kopf nachhallte, schon über einen unbedingt stattfindenen zweiten Besuch des furiosen Musicals nachgedacht wurde.

(NGZ)