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Orgelsommer in Neuss mit dem Konzertorganisten Józef Kotowicz

Orgelsommer in Neuss : Neue Hörerlebnisse in der Quirinusbasilika

Der polnische Konzertorganist Józef Kotowicz war der zweite Gast beim Orgelsommer an der Basilika St. Quirin – und auch zum zweitenmal in Neuss. Er ist unter anderem künstlerischer Leiter der Orgelkonzerte im Dom zu Bialystok, der Hauptstadt und mit knapp 300.000 Einwohnern einzigen Großstadt der Region Podlachien nahe der weißrussischen Grenze.

Bialystok hat neben drei Universitäten auch eine Musikhochschule – und eine Gemeinsamkeit mit Neuss: Es ist Partnerstadt von Pskow.

Józef Kotowicz hatte das von Münsterkantor Joachim Neugart für den Orgelsommer vorgegebene Motiv „Nachbarn“ ganz individuell interpretiert: Er spielte in seinem höchst farbigen Konzert Werke von Nachbarn, vornehmlich aus dem skandinavischen Raum, und von zeitgenössischen Komponisten. Als Bonmot für das ihm bekannte Neusser Publikum darf man allerdings seinen Einstieg werten: Die prächtige „Sinfonia di chiesa“ des schwedischen Barockkomponisten Johan Helmich Roman wies diesen als Freund leichten italienischen Barocks aus.

  • Joachim Neugart am Orgelspieltisch im Quirinusmünster.⇥Archivfoto:
    Orgelsommer in Neuss : Orgelsommer mit Musik der Nachbarn
  • Reinhold Gauder und Melanie Bröxkes (vorne)
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Im Anschluss daran gab es aber gleich eine deutsche Erstaufführung. Józef Kotowicz betrachtet sich als Sachwalter des schwedischen Komponisten Stefan Lindblad (61). So erklangen erstmals das verhaltene „Nocturno“ und die toccatisch-rauschhafte „Litanei“ aus dem Orgelzyklus „Espanordica“ des Schweden auf einer deutschen Orgel. Kleinere Werke des Tschechen Jiri Strejc und des polnischen Organisten Mieczyslaw Surzynski bereiteten Großes vor:

Der 2018 gestorbene dänische Komponist Bent Lorentzen ist vor allem durch seine Opern bekannt. Aus seinem üppig dimensionierten Orgelwerk, der siebensätzigen Suite „The Planets“, spielte Józef Kotowicz den letzten Satz „Saturnus“. Gleich zu Beginn schocken oder faszinieren – je nach Empfinden – neun große Cluster-Akkorde, das durch ständig wechselnde Rhythmen hoch komplizierte Stück endet – je nach Geschmack – atmosphärisch oder schräg dissonant.

Der Norweger Sverre Eftestol (67) hat sein „The Yarmouth Belle“ dem britischen Konzertorganisten Christopher Herrick gewidmet und schildert in lebhaften Farben und der Melodie eines Irish Jig die Fahrt eines Schaufelraddampfers auf der Themse. Die hymnische Toccata über das Kirchenlied „Amazing grace“ von Christopher Pardini (46) sollte nicht der Abschluss sein, denn Józef Kotowicz beendete sein glänzend gespieltes Konzert, das mehrfach Anklänge an Folk Music einbezog, mit einer zweifellos ironisch gemeinten Improvisation über J. S. Bachs berühmte „Toccata d-Moll“.