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"Orange Days" in Neuss: Rathaus macht auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam

Hilfe in Neuss : Orange leuchtendes Rathaus gegen Gewalt an Frauen

Das Rathaus in Neuss erstrahlt zum Internationalen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen in orange. Das Thema ist aufgrund der Corona-Pandemie besonders wichtig. Die Frauenberatungsstelle hilft Betroffenen im Rhein-Kreis.

Mit der Farbe Orange soll auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht werden. In dieser von der UN festgelegten Farbe erstrahlt nun allabendlich das Neusser Rathaus. Die Aktion ist Teil der „Orange Days“, einer weltweiten Kampagne zwischen dem 25. November (dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen) und dem 10. Dezember (dem Internationalen Tag der Menschenrechte).

Organisiert wird die Aktion in Neuss von der Frauenberatungsstelle in Zusammenarbeit mit den Soroptimisten Neuss und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Katja Gisbertz. „In Zeiten der Corona Pandemie ist das Thema Schutz vor häuslicher Gewalt wichtiger als jemals zuvor“, sagt Gisbertz anlässlich des Aktionstags. „Obwohl die angezeigten Straftaten in Zusammenhang mit Partnergewalt rückläufig scheinen, gehe ich davon aus, dass die Gewalt im familiären Umfeld ansteigt.“ Grund dafür sei der durch die Einschränkungen in der Corona-Pandemie erhöhte Druck auf Familien und die fehlende Möglichkeit, aus einer aggressiv aufgeladenen Situation zu entfliehen. Auch einen Hilferuf an die Polizei oder eine Beratungsstelle unauffällig, ohne Wissen des Täters, abzusetzen, sei in dieser Zeit schwieriger. „Man geht allgemein von einer sehr hohen Dunkelziffer aus, weil häusliche Gewalt für die Opfer mit Scham und Angst besetzt ist“, setzt Gisbertz hinzu.

Den Eindruck bestätigen die Mitarbeiter der Frauenberatungsstelle Neuss. „Im ersten Lockdown sind keine Frauen mehr zu uns gekommen“, erzählt Geschäftsführerin Janne Gronen. Erst nach einigen Lockerungen hätten sich wieder Frauen an die Beratungsstelle gewandt. Alle berichteten von Gewalterfahrungen. Normalerweise sind es rund 50 Prozent der Frauen, die sich deswegen bei der Beratungsstelle melden: Im Jahr 2019 kamen 540 von 897 ratsuchenden Frauen im Rhein-Kreis aufgrund einer Gewalterfahrung auf die Beratungsstelle zu. „Jetzt, im Lockdown light, haben wir immer noch relativ viele Anfragen“, sagt Ursula Habrich, stellvertretende Geschäftsführerin der Frauenberatungsstelle.

Den ratsuchenden Frauen wird in psychologischen Gesprächen geholfen, Selbstbewusstsein aufzubauen und einen Weg aus der gewalttätigen Situation herauszufinden. Das könne eine Trennung sein oder bei akuter Gefährdung der Weg ins Frauenhaus, erklären Gronen und Habrich. Ein solches wird in Neuss vom Sozialdienst katholischer Frauen betreut. Der Sozialdienst katholischer Männer wiederum ist eine Anlaufstelle für Männer, die Gewalt erfahren. Mit ihm arbeitet die Frauenberatungsstelle auch zusammen, beispielsweise in der Interventionsstelle, in der Kontakte durch die Polizei vermittelt werden. In rund zehn Prozent der Fälle von Gewalt in Familien seien Männer betroffen, erklärt Jutta Dubberke, Mitglied im Vorstand des Trägervereins der Frauenberatungsstelle.

Gewalt gegen Frauen trete in verschiedenen Formen auf, häufig als physische, psychische oder sexualisierte Gewalt. Die zu erkennen und dagegen vorzugehen, sei nicht immer leicht für die Betroffenen. „Ein Signal ist, wenn man Angst vor seinem Partner hat“, sagt Ursula Habrich – nicht nur vor etwaigen Schlägen, sondern auch davor, von ihm kontrolliert zu werden und sich rechtfertigen zu müssen.

Betroffene können sich an die Frauenberatungsstelle (02131 271378) und den SkF Neuss (02131 103199 oder 02131 150225) wenden. In akuten Fällen (häuslicher) Gewalt helfen Polizei und das Bundeshilfetelefon gegen Gewalt an Frauen (08000 116016).