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Neuss: OP-Schwester hilft rund um die Welt

Neuss : OP-Schwester hilft rund um die Welt

Die Neusser Operationsschwester Maria Jansen fährt im Urlaub in die ärmsten Länder der Welt und baut OP-Zentren mit auf. Zuletzt arbeitete sie im Februar am Augustinus Hospital in Burundi – mit den beiden Schwestern, die nach einem Rebellenangriff in Düsseldorf behandelt werden.

Die Neusser Operationsschwester Maria Jansen fährt im Urlaub in die ärmsten Länder der Welt und baut OP-Zentren mit auf. Zuletzt arbeitete sie im Februar am Augustinus Hospital in Burundi — mit den beiden Schwestern, die nach einem Rebellenangriff in Düsseldorf behandelt werden.

Maria Jansen ist eine resolute Frau, sonst hätte sie sich kaum im Elend der Welt behaupten können. In Ländern, in denen es nicht einmal genügend Geld für medizinische Materialien wie Operationsfäden gibt. "Da nimmt man schon mal einen Kartoffelsack und benutzt diese Fäden, um eine Operationswunde zu nähen", sagt die 47-Jährige über einen frühen Besuch im Sankt Augustinus Hospital in Burundi.

Die Neusserin ist Operationsschwester im Düsseldorfer Vinzenz-Krankenhaus. Aber seit mehr als 20 Jahren reist sie im Urlaub um die Welt und richtet Krankenhäuser mit ein, bildet Operationsschwestern aus, und operiert auch selbst mit. Sie hilft heilen. Genauer: Sie hilft den Einheimischen dabei, sich selbst zu heilen. Es ist ihre Operation am Elend der Welt.

Erster Einsatz: Afghanistan

Dafür geht bei Maria Jansen in jedem Jahr der Jahresurlaub drauf, so feiert sie Überstunden ab. "Wenn ich zurückkomme, bin ich zufrieden. Es macht mir Spaß, etwas aufzubauen", sagt sie. In Deutschland braucht man keinen OP-Saal mehr aufzubauen. In Deutschland will kein Arzt aufs Land, in den ärmsten Ländern wie Burundi gibt es kaum genügend Ärzte.

Mit ihrer Hilfe begann sie 1989 in Afghanistan in Kandahar. Nach diesem Einsatz beschloss sie, genau so weiter zu machen. Es ging nach Peshawar (Pakistan), mehrmals nach Burundi ins Sankt Augustinus Hospital, und in jedem Jahr nach Daressalam. In der Hauptstadt Tansanias arbeitet sie jedes Jahr in dem Krankenhaus für Behinderte, das der Neusser Arzt Dr. Peter Ickler aufgebaut hat.

Zuletzt war sie im Februar bei Schwester Beatrice im Sankt Augustinus Hospital zu Gast, jene Schwester, die vor wenigen Opfer Opfer eines Anschlags von Rebellen wurde (siehe Info). "Ich habe spontan gedacht: Jetzt hilft nur noch beten. Wenn man sieht, was die sich aufgebaut haben, dann darf man aber keine Angst haben", sagt Maria Jansen. "Sie machen das Beste aus den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen."

Oftmals sind die Voraussetzungen schwierig. Material ist kaum vorhanden, steriles schon gar nicht. "Aber die Menschen wollen weiterkommen. Man muss einfach nur handeln", sagt Maria Jansen. "Man muss improvisieren können. Dann funktioniert das."

So machte sie aus Fahrradschläuchen Stauschläuche für die Operation, aus Badetüchern wurden Bauchtücher, aus Kartoffelsäcken OP-Fäden. "Da unten wird mit dem gearbeitet, was man hier wegwirft", sagt sie. Im Vinzenz-Krankenhaus, das sie in ihrer Hilfsarbeit unterstützt, zu arbeiten, sei dagegen wie Urlaub.

Und trotzdem ist diese Arbeit genau das, was sie erfüllt. Denn die Leute, die sie am Operationstisch anlernt, wollen lernen. "Und das mag ich. In Deutschland auszubilden war mir irgendwann zu langweilig." Langeweile — das gibt es nicht in den Ländern, in denen das Elend der Welt regiert.

(angr)