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Museumsinsel Hombroich: Ohne Inhalt ist alles unwichtig

Museumsinsel Hombroich : Ohne Inhalt ist alles unwichtig

Dr. Peter Gloystein hat an der Spitze des Fördervereins des Kulturraums Hombroich den bisherigen Vorsitzenden Gert Krüger abgelöst. Der gebürtige Bremer wohnt seit kurzem in Düsseldorf.

Hombroich Der erste Kontakt war geschäftlicher Natur. Für seinen Plan von der Museumsinsel Hombroich wollte Karl-Heinrich Müller sein Immobiliengeschäft in Düsseldorf verkaufen, wandte sich an seine Bank und landete bei Dr. Peter Gloystein. Der ließ sich schnell von der Idee, Kunst parallel zur Natur zu zeigen, begeistern und wurde zum Hombroich-Freund der ersten Stunde. Er habe alles mitgemacht, sagt der Banker lachend, die legendären Feste auf der Insel wie die "großen Reden von Anatol". Seit 1993 ist Gloystein Mitglied des Vereins zur Förderung des Kunst- und Kulturraums Hombroich, seit kurzem leitet er auch dessen Geschicke als erster Vorsitzender.

Beworben hat er sich darum nicht, aber der Posten, den Gert Krüger aus Altersgründen abgeben wollte, kam gerade zur rechten Zeit. Die beiden erwachsenen Kinder wohnen inzwischen aushäusig, und der gebürtige Bremer hat sich mit seiner Frau (wieder) in Düsseldorf niedergelassen. Dieses Mal voraussichtlich endgültig und damit schon mal einem eigenen Anspruch gerecht werdend: "So was kann man nicht machen, wenn man nicht vor Ort ist."

Als Kuratoriumsmitglied hat er die Vereinsarbeit in den vergangenen Jahren zwar immer begleitet, aber als Vorsitzender muss er sie nun gestalten. Dabei hält er in den bisherigen Veranstaltungen wie Pfingstfestival und Konzertreihe fest, kann sich allerdings auch neue vorstellen. Der Verein sei gut aufgestellt, erzählt er, im vergangenen Jahr konnten nicht nur Spenden eingeworben werden, sondern auch neue Mitglieder. 18 an der Zahl und viele von ihnen stammten aus dem neuen Kreis, der sich um die geplante neue Grundschule organisiert hat. Dennoch bleiben Mitgliederwerbung und Geld auftreiben zwei wesentliche Schwerpunkte des Fördervereins, sagt er, aber mindestens genauso wichtig ist ihm "im Sinne von Müller der Dialog". Müller habe Menschen ins Gespräch gebracht, die nichts miteinander zu tun hätten, "das möchte ich gerne über die Mitglieder in die Gesellschaft hineintragen". Denn: "Ohne Inhalt ist alles unwichtig." So hat er sich vorgenommen, den "Dialog zwischen Künstlern und der Politik zu systematisieren", wobei Gloystein selbst in beiden Bereichen zuhause ist.

Als Bremer Senator für Wirtschaft und Häfen sowie Senator für Kultur konnte er kurzzeitig all seine Interessen gestalterisch verfolgen, aber die "Marktplatz-Affäre", als er einem Zuschauer Sekt über den Kopf gegossen hat, machte dem 2005 ein Ende: Gloystein trat nach einem halben Jahr zurück. "Das kann man nur hinnehmen und abhaken", sagt er ganz nüchtern, aber ergänzt auch: Er habe gerne Politik gemacht, doch die aktuelle sei "eine Übung, die nicht so einfach ist".

(RP)