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Neuss: Ölmühle Sels bald geruchsfrei?

Neuss : Ölmühle Sels bald geruchsfrei?

Eine mobile Verbrennungsanlage wird in Kürze in Betrieb gehen. Sie soll die fauligen Gerüche deutlich abmildern. Ob das Konzept greift, soll sich in der nächsten Woche erweisen. Produktion in der Ölmühle ruht seit Heiligabend.

Umweltdezernent Karsten Mankowsky vom Rhein-Kreis-Neuss blickt auf ein turbulentes Jahr zurück. Die Ölmühle Sels im Neusser Hafen habe ihn "so manche schlaflose Nacht" gekostet. Derzeit wird die thermische Abgasverbrennungsanlage installiert, die schon bald in Betrieb gehen soll. Mankowsky und Ölmühlen-Geschäftsführer Winfried Dallmann hoffen jetzt, dass sie die Geruchsbelästigung in Neuss und Düsseldorf unter Kontrolle bringen können. "Welchen Erfolg das Abbrennen über der Fackeln haben wird", sagt Dallmann, "werden wir erst Ende nächster Woche sehen."

Seit August nimmt Mankowsky die Beschwerden vieler Anwohner aus Neuss und dem linksrheinischen Düsseldorf entgegen. Sie monieren, dass die Ölmühle der Firma Sels einen fauligen Geruch verströmt. Ein Gutachten des Landesumweltamtes im Oktober dieses Jahres sorgte für Klarheit. Mit umfangreichen Messungen wurde belegt, dass die Dämpfe, die bei der Ölsaaten-Produktion freigesetzt werden, zu schwefelhaltig sind.

Technische Neuerungen sollten Verbesserung bringen, doch der Erfolg blieb bescheiden. Fakt ist: Den zulässigen Grenzwert von zwei Prozent Jahresstunden an Geruchsbelästigung, den das Landesumweltamt als Maß für Geruchsbelastung festlegt, hat die Ölmühle Sels in diesem Jahr überschritten. Konkrete Angaben zu der Größenordnung dieses Verstoßes konnte Mankowsky auf Anfrage unserer Zeitung nicht machen. "Wir führen darüber keine Liste", hieß es gestern. Klar sei jedoch, dass der Wert in diesem Jahr so stark überschritten worden sei, dass bestimmte Vorkehrungen getroffen werden mussten.

Neue Hoffnung weckt jetzt eine thermische Abluftreinigung: Mit mobilen Verbrennungsaggregaten sollen die Dämpfe und Gase verbrannt werden, die für die üblen Gerüche verantwortlich sind. Der Start erfolgt in diesen Tagen. Ab März 2012 soll der Verbrennungsprozess dann in einem eigens für die Neusser Firma angefertigten Kessel erfolgen. Karsten Mankowsky wünscht sich fürs neue Jahr deshalb vor allem, dass das neue Konzept greift und die Ölmühle Sels kein Diskussionsthema mehr ist.

Derweil sieht sich Dallmann in seiner Auffassung bestätigt, dass die Ölmühle nur ein von mehreren Betrieben im Hafen ist, die Gerüche freisetzen. In den jüngsten Tagen habe es wieder Beschwerden gegeben, vornehmlich aus Düsseldorf. "Die können aber definitiv nicht von uns stammen", sagt Dallmann, "unser Betrieb steht seit Heiligabend." Für ihn der Beleg, dass "wir es im Hafen mit Gemengelage der Gerüche zu tun haben. Die Gerüche sind nicht eindeutig einem Unternehmen zu zuorden."

(NGZ/anch)