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Neuss: Ölmühle: "Kaum Beschwerden"

Neuss : Ölmühle: "Kaum Beschwerden"

Die Ölmühle Sels hat technisch nachgebessert. Die Beschwerden über üble Gerüche gehen gegen null. Die Geschäftsführer Julian Sels und Winfried Dallmann sprechen von Durchbruch: "Die Situation ist stabil."

Herr Sels, Herr Dr. Dallmann, seit dem Jahr 2007 wird Ihr Unternehmen rundum erneuert. Was ist neu an der Ölmühle Sels?

Winfried Dallmann In drei großen Bauabschnitten haben wir die gesamte Anlage renoviert. Das mussten wir auf knappen Raum, bei möglichst laufendem Betrieb, realisieren. Im ersten Schritt wurde der Toaster-Trockner-Kühler in Verbindung mit dem 86 Meter hohen Kamin gebaut. Es folgte anschließend der Neubau des Extrakteurs. Im dritten und letzten Abschnitt wurde im Sommer vergangenen Jahres die Presserei komplett erneuert.

Wie hoch war das gesamte Investitionsvolumen?

Julian Sels Rund 20 Millionen Euro.

Wie stufen Sie die technischen Standards Ihrer Produktion ein?

Dallmann Nach den umfassenden Investitionen sind wir mit Sicherheit auf dem neuesten technischen Stand der Ölmüllerei.

Im Sommer 2011 nahmen die Beschwerden über Geruchsbelästigungen aus der Bevölkerung deutlich zu. Akzeptieren Sie, dass die Emissionen Ihnen zu geordnet werden?

Sels Seit über hundert Jahren verarbeiten wir Rapssaat, derzeit etwa 700 000 Tonnen im Jahr. Die wird gewärmt, gewalzt, gepresst und extrahiert. Dabei kann es zu Emissionen kommen. Es hat im Sommer eindeutig eine geruchliche Verschlechterung gegeben, an der wir beteiligt waren.

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Sie haben mehrmals nachgebessert, doch die üblen Gerüche blieben. Was ist da schief gelaufen?

Sels Mit der neuen Anlage war die Erwartung verbunden, die Gerüche zu reduzieren. Da wir die komplette Abluft aus der Presserei verbrennen. Doch leider hat sich diese Erwartung nicht erfüllt. Darum mussten wir kurzfristig nachjustieren und zusätzliche Maßnahmen ergreifen. Wir haben einen großen Aufwand betrieben und alles daran gesetzt, so zügig wie möglich eine nachhaltige Lösung zu finden. Es scheint, dass wir da endlich eine zufriedenstellende Situation erreicht haben.

Im Klartext: Der Umbau der Anlage hat zu den Problemen geführt?

Dallmann Im Kern nicht. Die einzelnen Elemente sind so modern, dass wir bessere Ergebnisse erzielen können. Aber das Zusammenspiel innerhalb der Anlage — zum Beispiel zwischen Extrakteur und Presserei — ist nicht optimal angelaufen. Hinzu kommt, dass jede Ernte unterschiedlich in der Verarbeitung reagiert. Dies haben wir heute im Griff. Wir verbrennen jetzt nämlich auch den zweiten Abluftstrom. Mit der Folge, dass wir aus meiner Sicht den geringsten Geruchsausstoss in der Firmengeschichte haben.

Für Sie ist der Durchbruch geschafft?

Dallmann Wir erwarten, dass die Situation stabil bleibt. Die Beschwerden gehen gegen null. Damit ist die Ruhe eingekehrt, die wir als produzierende Industrie auch am Standort benötigen. Wir legen großen Wert auf ein gutes Verhältnis mit unseren Nachbarn — sie sind uns wichtig. Die Produktion und die damit verbundenen Arbeitsplätze sind nur möglich, wenn wir gut miteinander leben können.

Zusätzliche Investitionen und Produktionsausfall. Wie ist der Schaden?

Sels Wir hatten bereits für den Umbau im Sommer geplant zwei Monate gestanden. Das bedeutete Kosten und Produktionsausfall. Für die Nachbesserungen haben wir im vergangenen halben Jahr noch einmal einen hohen sechsstelligen Betrag bereitstellen müssen.

Stichwort Kreis-Umweltamt?

Sels Das war immer eine sehr konstruktive Zusammenarbeit.

Können Sie expandieren?

Sels Uns gehört noch ein angrenzendes Grundstück, ansonsten bleibt noch die andere Hafenseite. Aber es ist eng zwischen Hafenbecken und Düsseldorfer Straße.

Ludger Baten und Hanna Koch führten das Gespräch.

(NGZ/anch)