Neuss: Ölmühle C. Thywissen ist eine Institution

Neuss: Ölmühle C. Thywissen ist eine Institution

Familienunternehmen im Hafen wird 175 Jahre alt. Die sechste Generation in der Geschäftsleitung und eine 110-köpfige Belegschaft erwirtschaften einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Bürgermeister lobt bürgerschaftliches Engagement.

Es gibt viele Unternehmen in Neuss. "Die zahlen hier bei uns Gewerbesteuer", sagt Bürgermeister Herbert Napp, "und darüber freuen wir uns." Daneben gebe es aber auch eine ganze Reihe "Neusser Unternehmen". Die zahlten auch Gewerbesteuer, engagierten sich aber darüber hinaus für und in der Neusser Gesellschaft. Ein solches "altes, traditionsreiches Unternehmen" sei die Ölmühle C. Thywissen, die gestern im Hafen ihr 175-jähriges Bestehen feierte. Als Beleg für das bürgerschaftliche Engagement der Thywissens führte der Rathaus-Chef an, dass die Familie mit Wilhelm Thywissen (2. Generation) und Hermann Wilhelm Thywissen (4. Generation) zwei Unternehmenslenker hervorgebracht hat, die zugleich auch kommunalpolitisch Verantwortung übernahmen und dafür zu Ehrenbürgern der Stadt Neuss gewählt wurden.

Geschäftsführer-Trio Sief Menu (l.), Dominik Baum (2. v. l.) und Detlef Volz (r.) begrüßt Europapolitiker Florenz (M.) und Bürgermeister Napp (2. v. r.). Foto: woi

Heute steht bereits die sechste Generation auf der Kommandobrücke. Diplom-Kaufmann Dominik Baum (40) leitet gemeinsam mit Detlef Volz und Sief Menu, zwei familienfremden Geschäftsführern, das Familienunternehmen. Mit einer 110-köpfigen Belegschaft, darunter sechs Auszubildende, produziert C. Thywissen an den Standorten Neuss, Hürth und Marl insgesamt 700 000 Tonnen Öle und Futtermittel, Glycerin und Biodiesel sowie Malzmehle. Der Jahresumsatz kletterte nach eigenen Angaben auf stolze 1,5 Milliarden Euro.

Die Wurzeln der Firma Thywissen reichen sogar bis ins Jahr 1813 zurück. Doch erst 1839 gründete Caspar Thywissen eine Ölhandlung und Mühle nahe dem Obertor. In seiner Laudatio schlug der Bürgermeister gestern den historischen Bogen von den Anfängen des Unternehmens bis in die Gegenwart hinein. Er merkte an, dass die Thywissens "schon bald zu den angesehensten Familien der Stadt" zählten.

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Mit geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft sowie den Mitarbeitern mit ihren Angehörigen feierte C. Thywissen gestern mit Festakt im Zelt und einem mehrstündigen "Streifzug von der Ernte bis zum frischen Öl" auf dem Betriebsgelände. In seiner Begrüßung erinnerte Geschäftsführer Detlef Volz, dass heute die frischesten und gesündesten Lebensmittel produziert würden, "aber die öffentliche Wahrnehmung eine andere" sei. Volz' These unterstützte Michael Miersch. Der Publizist, der für das Magazin Focus schreibt, ging der "Angst vor dem Essen" nach und versuchte aufzuzeigen "wie Lebensmittel-Skandale gemacht werden".

C. Thywissen wird auch weiterhin, so Dominik Baum, seinem Grundsatz "Food first" folgen. Gemeint ist, dass die Lebensmittelproduktion Vorrang besitzt. Gleichwohl sei der Biodiesel ein "wichtiger Baustein in der Wertschöpfungskette". Knapp 25 Prozent erziele das Unternehmen mit Biodiesel. Mit seiner breiten Produktpalette fühlt sich C. Thywissen gut aufgestellt. Das Unternehmen mit 17 Familiengesellschaftern in eine gute Zukunft zu führen, erfordere wie in jedem Unternehmen Weitsicht, Innovation und Wachsamkeit. Daran habe sich auch 175 Jahre nach der Gründung nichts geändert.

(NGZ)
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